Sascha Zverev und die Vollendung einer großen Tennis-Karriere

Sport

Sascha Zverev hat am Sonntag die Möglichkeit, seine großartige Karriere zu krönen. Dafür hat er so hart gearbeitet wie kaum ein anderer. Wir haben in der Jugend oft gemeinsam trainiert. Schon damals waren Trainingsumfang und Intensität außergewöhnlich. Das hat sich bis heute nicht geändert – wie mir seine müden Sparringpartner auf Turnieren berichten. 24 ATP-Titel, darunter zwei bei ATP-Finals, und Olympia-Gold: Solche Erfolge erreicht nur jemand, der über Jahre auf höchstem Niveau liefert. Trotzdem dominiert in der öffentlichen Wahrnehmung der fehlende Grand-Slam-Titel. Nach jeder Niederlage bei Grand Slams wird in sozialen Medien nicht selten gehässig kommentiert.

Aus meiner Sicht wird dabei zu oft vergessen, dass hinter jedem Spieler ein Mensch steht. Einer, der alles gibt, aber an einem bestimmten Tag spielerisch, körperlich oder mental einen Weltklassespieler nicht schlagen konnte. Die French Open haben heuer gezeigt, dass es für niemanden selbstverständlich ist zu gewinnen. Für den Titel müssen viele Faktoren, auch Glück, zusammenspielen. Bisher hat Sascha das letzte Quäntchen gefehlt.

Dazu kommt: Kommentare verschwinden nicht. Von Sportlern wird oft verlangt, dass an ihnen alles abperlt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: So ist es nicht. Natürlich lernt man, damit umzugehen. Ich bin zwar gewohnt, nach Niederlagen von Menschen in den sozialen Medien beschimpft zu werden. Trotzdem beschäftigt es, wenn man liest „bei großen Turnieren ist immer früh Schluss“. Für mich war sehr wichtig, mir beim ATP-Masters in Paris mit dem Semifinale zu beweisen, dass ich auch bei großen Turnieren weit kommen kann. Bei Sascha sind Druck und Aufmerksamkeit ungleich höher. Der Titel würde seine Karriere selbst für die größten Zweifler vollenden. Ich drücke ihm vom Herzen die Daumen, dass es klappt!

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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