Klima-Aktivistin Rogenhofer: „In China sitzen ja keine Ober-Ökos“

Politik

Die Vorständin des Kontext Instituts für Klimafragen sieht in Speichertechnologien einen Zukunftsmarkt für Europas Industrie.

KURIER: Wie finanziert sich das Kontext Institut für Klimafragen?

Katharina Rogenhofer: Durch private Spenden und Forschungsförderung. Politisch sind wir unabhängig. Wir nehmen keine Gelder von Parteien und machen keine Auftragsforschung. 

Von „Fridays for Future“, die Sie in Österreich mitbegründet haben, ist keine Rede mehr. Haben das Klima-Thema wie die Klima-Kleber keine Konjunktur mehr?

Die Pandemie hatte Einfluss auf das Ende von Fridays for Future, weil es sich größtenteils um eine Schülerbewegung gehandelt hat und Menschen nicht mehr auf die Straße gehen durften. Das Bewusstsein für Klimaschutz ist da – es ist nur von der Oberfläche der Debatte verschwunden. So, als hätte man einen Kochtopf, auf dem sich unten Blasen bilden, bevor es zu kochen beginnt. Man sieht das Potenzial jetzt nicht mehr auf der Straße, aber es ist da – in Institutionen und Unternehmen.

Die EU will die CO2-Emissionen bis 2040 um 90 % senken. Was soll das bringen, wenn sich die USA und China nicht daran halten – außer Wettbewerbsnachteilen?

Ich bin genau gegenteiliger Meinung. Wenn wir weiterhin den Zug der Ökologisierung verpassen, werden wir in die industrielle Bedeutungslosigkeit abrutschen. Das haben wir schon bei der E-Mobilität gesehen. E-Autos werden jetzt in China produziert. Und auch PV-Anlagen stammen großteils aus China, obwohl sie in Deutschland aufgekommen sind. Das Innovationspotenzial, das wir in den letzten Jahren gezeigt haben, das fließt 1:1 ab. Und die Automobilindustrie in Europa schwankt nicht, weil wir so ambitionierte Klimaziele haben, sondern weil China keine Verbrenner mehr kauft. Zukunftstechnologien wie Wärmepumpen, Speicher, PV-Anlagen und E-Autos verzeichnen ein exponentielles Wachstum. Viele sagen: Wir dürfen im Klimabereich nichts machen, weil sonst unsere Industrie ächzt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir jetzt nichts machen, dann werden wir in der Welt von morgen keine Rolle mehr spielen. 

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Wenn die Industrie nicht grüner wird, dann haben wir keine Chance am Weltmarkt?

Ganz sicher! In China sitzen ja keine Ober-Ökos am Steuer, sondern sehr gut rechnende Menschen, die sich die Märkte anschauen. 

Ist es für Europas Auto-Hersteller nicht schon zu spät?

Wir sind tatsächlich schon überrundet worden in diesem Bereich. Wenn die Politik ihren Zick-Zack-Kurs endlich beendet, dann kann es in Europa aber noch in die richtige Richtung gehen. Viele Autoteile, gerade in der Zulieferindustrie, werden weiter verbaut werden – egal ob in einem Verbrenner- oder einem E-Auto. Viel wichtiger ist: Finden wir Bereiche, wo wir vorne sein können? 

Wo können wir vorne sein? 

Gerade in der Batterietechnologien ist China auch schon abgezogen. Lithiumbatterien sind die gängigen Akkus. Aber: Wenn wir es hinkriegen, Batterien ohne kritische Rohstoffe zu erzeugen, wäre das ein Feld, wo Europa wirklich groß werden könnte. Auch bei Wärmepumpen und Windrädern ist das Rennen noch nicht beendet.

Sie können Technologieoffenheit beim Auto gar nichts abgewinnen?

In der Forschung brauchen wir Technologieoffenheit – zum Beispiel in der Speichertechnologie. Aber gegen jede Vernunft auf unterlegene Technologien zu setzen ist ein Irrweg. Während E-Fuels Autos nur 13 Prozent der zugeführten Energie nutzen können, sind es bei E-Autos 80. 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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