Euram Bank-Pleite: Untreue-Verdacht gegen drei Ex-Vorstände

Wirtschaft

Die European American Investment Bank AG, kurz Euram Bank, die sich auf Private Banking und Immobilienfinanzierungen spezialisiert hatte, musste im Dezember 2024 am Wiener Handelsgericht Insolvenz anmelden. Die Finanzmarktaufsicht FMA hatte das Konkursverfahren beantragt. Zuvor hatte die FMA der Bank den Geschäftsbetrieb untersagt. Laut dem vierten Bericht des Masseverwalters vom März 2026 haben 474 Gläubiger Forderungen in Höhe von 516 Millionen Euro angemeldet, davon wurden 329,5 Millionen Euro auch anerkannt.

Beschuldigte verständigt

Die Großpleite hat sich zu einem Krimi entwickelt, die Ermittlungen leitet mittlerweile die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Lange wurde nur gegen unbekannte Täter ermittelt. Wie sich jetzt aus der Aktenlage ergibt, hat die WKStA drei ehemalige Vorstände der insolventen Euram Bank AG bereits am 17. April 2026 darüber verständigt, dass gegen sie als Beschuldigte wegen des Verdachts der Untreue ein Ermittlungsverfahren läuft. Sie stehen im Verdacht, „wirtschaftlich unvertretbare Kredite“ vergeben zu haben.

„Ob es weitere Beitragstäter gibt, ist Gegenstand der Ermittlungen“, sagt Oberstaatsanwalt Martin Ortner von der WKStA zum KURIER. „Der Schaden ist auch noch Gegenstand von Ermittlungen, aber man geht von einem achtstelligen Betrag aus.“

Kreditgeschäft unter die Lupe genommen

Die Vorwürfe stützen sich auf einen 138-seitigen Prüfbericht der Österreichischen Nationalbank vom November 2022, der der WKStA aber erst seit dem Vorjahr vorliegen soll. Sechs Prüfer hatten im Auftrag der Finanzmarktaufsicht (FMA) das Kreditgeschäft der Bank unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: 28 Mängelfeststellungen, davon eine mit der höchsten Risikoeinstufung und 16 weitere mit hoher Priorität. Die Prüfer bemängelten, dass Kreditanträge „trotz häufig komplexer Kunden- und Finanzierungsstrukturen überwiegend keine ausreichende Kreditwürdigkeits- und Kreditfähigkeitsprüfung“ enthielten.

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Kredite seien ohne angemessene Risikoanalyse vergeben worden. In sieben Fällen wurde trotz Unwahrscheinlichkeit der Rückzahlung kein Kreditausfall verbucht – bei einem Blankoanteil von 23,2 Millionen Euro.

Notleidende Kredite

Besonders kritisch: In drei Fällen wurden die gesetzlichen Großkreditgrenzen überschritten, in einem Fall sogar um mehr als 100 Prozent. Die Prüfer untersuchten 23 Kunden in 18 Kundengruppen mit einem Gesamtkreditvolumen von 102 Millionen Euro zum Stichtag Ende 2021. Das Bundeskriminalamt, dessen Büro für Wirtschaftsermittlungen von der WKStA mit den Untersuchungen beauftragt wurde, geht davon aus, dass „sämtliche (dieser) Kreditlinien notleidend“ wurden und wertberichtigt werden mussten.

„Es gibt bis jetzt nur pauschal Vorwürfe“, kontert Verteidiger Sebastian Lesigang, der einen der drei Vorstände vertritt, im Gespräch mit dem KURIER. „Wir warten nun, dass es konkrete Vorwürfe zu konkreten Krediten gibt, erst dann können wir dazu Stellung nehmen.“ Ähnlich sieht es auch Pilar Mayer-Koukol von der Anwaltskanzlei Paulitsch, die einen weiteren Vorstand vertritt.

„Es liegen derzeit keine konkreten Vorwürfe gegen unseren Mandanten durch die WKStA vor“, sagt Mayer-Koukol zum KURIER. „Das bleibt abzuwarten, und wir werden dann zu gegebener Zeit Stellung nehmen.“

Anfragen von Russen

Außergewöhnlich an diesem Ermittlungsakt ist auch, dass sich unzählige russische Staatsbürger und Offshore-Gesellschaften mit Hilfe von Wiener Anwaltskanzleien bei der WKStA gemeldet und Akteneinsicht verlangt haben, weil sie offenbar davon ausgegangen sind, dass sie als Verdächtige bzw. Beschuldigte geführt werden. Die WKStA lehnte diese Ersuchen bisher ab, da sie derzeit nur gegen die drei Ex-Banker ermittelt.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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