160 Jahre Tradition und Tinte: Zu Besuch bei Miller Schreibkultur

Wirtschaft

Man sieht es dem modern verglasten Geschäftslokal nicht an, doch es ist das älteste verbleibende Geschäft auf Wiens bedeutendster Einkaufsstraße. Auf rund 200 Quadratmetern gibt es neben bunten Kuverts, Briefpapier und Tintenfässern eine fast überwältigend wirkende Anzahl an unterschiedlichen Füllfedern. 

„Dabei bin ich selbst eigentlich eher ein Bleistiftfan“, sagt Geschäftsführer Georg Mosler beim Besuch des KURIER. Er führt das Unternehmen in fünfter Generation. „Eigentlich habe ich immer gesagt, dass ich das Familienunternehmen sicher nicht übernehme“, erzählt Mosler. In den 1990er-Jahren übernahmen er und seine Schwester, damals als Studierende, die Geschäfte dann doch, weil ihr Vater erkrankte. Mittlerweile führt Mosler das Unternehmen allein.

Wiener Tradition mit deutschem Ursprung

„Miller Büro & Schreibkultur“ gilt als Wiener Traditionsunternehmen. Seine Wurzeln sind aber eigentlich deutsch. Der Ulmer Unternehmer Carl Friedrich Kuhn gründete Mitte des 19. Jahrhunderts eine Fabrik für damals neuartige Stahlschreibfedern in Wien. Friedrich Miller (Moslers Ur-Ur-Großvater) arbeitete zunächst für Kuhn als Verkäufer im Außendienst. Später heiratete er Kuhns Nichte und eröffnete 1966 das Schreibwarengeschäft auf der Mariahilfer Straße 93, wo es sich bis heute befindet.

„Als das Geschäft hier eröffnet wurde, sind vor der Tür noch Kutschen gefahren“, erzählt  Mosler. Seither habe das Unternehmen Höhen und Tiefen erlebt. In der Zwischenkriegszeit wurden die Geschäfte neu aufgestellt, um die wirtschaftlichen Herausforderungen verkraften zu können. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Familie den Betrieb erst wieder aufbauen.

„Ein wahres Volksfest“ habe es im Jahr 1993 gegeben, als auf der „Mahü“ die U-Bahnlinie U3 fertiggestellt wurde. Nicht nur war das Geschäft damit viel besser erreichbar, auch die langwierige Baustelle direkt vor der Tür war endlich zum Abschluss gekommen.

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„Es sind nur wenige Spezialisten übrig geblieben“

Seit Mosler das Unternehmen übernommen hat, hat sich die Branche stark verändert. „Zur Zeit meines Großvaters gab es noch sieben Papierfachgeschäfte hier auf der Straße. Heute gibt es hauptsächlich Ketten. Von den wirklichen Spezialisten ist in Wien nur eine Handvoll übrig geblieben“, sagt Mosler. Diese würden sich vor allem durch hochwertige Produkte gegenüber der oft preislich günstigeren Konkurrenz durchsetzen. Deswegen treibt Mosler zusammen mit seinen acht Mitarbeitern die „bewusste Rückbesinnung auf die Schreibkultur“ voran. 

Günstige Einsteiger-Füllfedern fangen preislich bei 15 bis 20 Euro an. Rund 3.500 Euro kosten die teuersten Füllfedern, die es bei Miller momentan zu kaufen gibt. Diese werden in Deutschland hergestellt und in Japan per Hand bemalt und etwa mit Lack und Muschelschalen verziert. Insgesamt erkennt Mosler seit ein paar Jahren einen wachsenden Japan-Trend.

Auch er selbst schätzt die Produkte aus Ostasien sehr: „Die Japaner haben eine unglaubliche Schreibkultur. Ihre Schriftart erfordert eine viel höhere Präzision, als wir sie bei der klassischen Lateinschrift brauchen. Und so sind auch ihre Schreibgeräte in der Präzision ganz anders.“ Neben japanischen Produkten seien aber auch Füllfedern aus Deutschland oder etwa aus den USA sehr beliebt.

Schüler, Studierende, Stammkunden und leidenschaftliche Sammler

Wie das Sortiment ist auch die Kundschaft  bunt gemischt. Von Eltern, die mit ihren Kindern für die Schule einkaufen, über Studierende bis zu leidenschaftlichen Sammlern. Etwa die Hälfte der Kunden seien Stammgäste, die immer wieder kommen, etwa um Tinte oder Minen nachzukaufen. Aber auch Touristen würden immer häufiger bei Miller …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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