Kein Deutsch, kein Eintritt ins Bad? In Wien gäb’s das nicht

Politik

Mathias Nobel ist gerade einer der meistporträtierten Menschen Deutschlands. Vor ein paar Tagen sagte der Geschäftsführer des Heidebads in Halle (Sachsen-Anhalt) in einem Interview, er würde nur mehr Menschen mit „ausreichend Deutschkenntnissen“ an seinen Badesee lassen; eine Sicherheitsvorkehrung. Schließlich müsse jeder die Baderegeln verstehen – wer kein Deutsch könne, wäre gefährdeter.

Seither stehen die Journalisten bei ihm Schlange, ganz Deutschland versinkt im Kulturkampf am Wasser. „Plantschen nur noch für deutsche Biokartoffeln“, ätzt die linke Zeitschrift Neues Deutschland. Die konservative FAZ kann Nobels Regel hingegen etwas abgewinnen, „lieber Ärger als Ertrunkene“, kommentiert man dort. Und auf Social Media wird der Rettungsschwimmer auch unter der Gürtellinie attackiert: „Reicht die Deutschlandhymne fehlerfrei aufzusagen oder wie sind da die Maßstäbe beim Einlass????“, schreiben User dort.

Nobel hat seine Aussagen mittlerweile relativiert, er fühlt sich missverstanden. Ihm sei es um Sicherheit gegangen, erst kürzlich habe er ein unbeaufsichtigtes Kleinkind aus dem tiefem Wasser ziehen müssen, die Eltern hätten ihn dafür aber beschimpft. Rassismus sei das keiner: „50 Prozent meiner Gäste können kein Deutsch, aber die verstehen die Baderegeln“, sagt er im Bild-Interview. Es gehe um eine kleine Gruppe, die sich nicht um Regeln scheren würden, um Eltern, die nicht auf ihre Kleinkinder aufpassen. Den Gegenwind – auch die Stadt Halle wies ihn in die Schranken – nehme er dafür in Kauf: „Den Shitstorm ertrage ich lieber als ein totes Kind.“

Die Debatte einfangen konnte er damit aber nicht. Wohl auch, weil Europas Badeplätze durch die Zuwanderung der letzten Jahren deutlich politischer wurden: Viele Ländern stritten über Burkini-Verbote, besonders lautstark Frankreich, das Oben-ohne-Land schlechthin. Nackte Haut und abweichende Moralvorstellungen sind so zur perfekten Grundlage für Kulturkämpfe geraten.

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Wien ist anders

In Wien, das österreichweit den höchsten Migrantenanteil hat, will man Debatten wie in Halle aber erst gar nicht führen. „Solche Regelungen gibt es nicht in Wien“, sagt Stadtrat Jürgen Czernohorszky, der für die öffentlichen Bäder zuständig ist. In den Wiener Bädern sei die Badeordnung an allen Standorten gut erkenntlich angebracht, „künftig auch vermehrt mehrsprachig“, sagt er.

Vorteilhaft sei in Wien, dass „ein großer Anteil der Bassinaufseherinnen und Bassinaufseher mehrsprachig ist, sodass der gegenseitige Austausch mit den allermeisten Gästen sehr gut funktioniert“, sagt er. In den Bäder arbeiteten Menschen aus 39 Nationen – das erleichtert die Kommunikation deutlich.

Problemfreie Zonen sind die Anlagen aber freilich nicht. Verstößt jemand gegen die Badeordnung, pöbelt oder belästigt andere, werde einfach ein Haus- und Badeverbot aussprechen. Das passiere allerdings höchst selten; und woher die Person komme, sagt Czernohorszky, sei dabei „egal“.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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