Charles-Parade in London: „Fühlt sich richtig an, die Royals zu unterstützen“

Politik

„Oh, Mami, schau!“ Der sechsjährige Georgie richtet die schwarze Bärenfellmütze, die ihm ein wenig über die Augen gerutscht ist, und zeigt aufgeregt nach links, die Londoner Prunkstraße The Mall hinunter. 

„Da kommen die Soldaten!“ Seine Mutter lächelt. „Georgie ist absolut verrückt nach den Royals. Schon seit er zwei Jahre alt ist.“ Sie und ihr Mann waren zuvor nicht sehr involviert, aber nun sind sie zum zweiten Mal Mitte Juni von Manchester nach London gefahren.

Dicht gedrängt stehen sie Samstagmittag im Londoner Stadtzentrum am Absperrgitter, um die jährliche Geburtstagsparade des Königs – Trooping the Colour – zu erleben. Eigentlich hat König Charles im November Geburtstag.

Doch wie alle britischen Monarchen (wahrscheinlich seit Charles I. vor 400 Jahren) gibt es neben einer echten noch eine offizielle Geburtstagsfeier: immer an einem Samstag im Juni, einem Tag mit traditionell gutem Wetter, das möglichst viele Fans zur Parade locken soll.

Rot-weiß-blaue Kostüme

Diesem Ruf sind am gestrigen Samstag überraschend viele zum ersten Mal gefolgt. „Seit Jahren schauen wir uns die Parade im Fernsehen an, jetzt wollten wir sie endlich einmal in echt sehen“, sagt Lindsay, die wie Freundin Rachel einen Haarreifen mit Union-Jack-Katzenohren trägt und an einem Eisengitter vor dem Buckingham Palace lehnt. Extra aus Belfast sind die beiden eingeflogen.

Lorraine Beavers in blau-weißem Jumpsuit zu rotem Stirnband, ebenfalls erstmalige Besucherin, ist wiederum aus dem fünf Stunden entfernten Lincolnshire angereist. 

Warum heuer zum ersten Mal? Lorraine zuckt mit den Schultern. „Es hat sich richtig angefühlt, die Königsfamilie heuer ein bisschen aktiver zu unterstützen.“ 

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Den Elefanten im Raum, Andrew, spricht sie dann aber doch nicht an.

Zur Erinnerung: Vergangenen Herbst kamen – insbesondere aus den posthumen Memoiren von Aktivistin Virginia Giuffre – neue, belastende Details gegen Andrew Mountbatten-Windsor in der Causa Epstein ans Licht. So groß wurde dabei der Druck auf das Königshaus, dass König Charles in einem beispiellosen Akt seinem Bruder alle Prinzentitel entzog.

Wochenlang dominierte das Thema die britischen Schlagzeilen, doch nach einem kurzzeitigen Beliebtheitsabfall sind die Werte des Königshauses zuletzt wieder gestiegen. 64 Prozent der Briten wollen laut YouGov den Fortbestand der Monarchie.

„Jede Familie hat doch ein enfant terrible“, sagt die Engländerin Joe Kelly. „Warum soll das bei der Königsfamilie anders sein?“ Ihre Meinung über Charles oder William habe sich durch Andrews Fehlverhalten nicht geändert. „Im Gegenteil: Ich finde es gut, wie klar William und Charles Grenzen ziehen.“

„Nicht mein König!“

Graham Smith kann über solche Aussagen nur den Kopf schütteln. Der Brite ist Chef der Initiative „Republic UK“, die sich seit Jahren für die Abschaffung der Monarchie starkmacht. Der Skandal um Andrew sei nur die Spitze des Eisbergs und das Königshaus undemokratisch, korrupt und teuer. „Not my King!“, rufen er und seine Unterstützer jedes Mal inbrünstig, wenn ein Teil der Parade vorbeizieht. 

Dazu wacheln sie mit gelben Plakaten, die einen überlebensgroßen Andrew beim Spaziergang mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein oder gebeugt über ein junges Mädchen zeigen. Doch die Wut der Besucher beim Anblick der Sujets richtet sich lediglich gegen die Demonstrierenden. „Schande über euch!“, kommt es so laut, dass die „Not my King!“-Rufe nicht mehr auszumachen sind.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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