Wirtschaftsforscher erfreut: Krise abgewendet, Prognosen halten

Wirtschaft

Die Annahmen der Wirtschaftsforscher vom April über eine baldige Beendigung des Irankrieges und damit relativ beschränkte Auswirkungen auf die Energiepreise sind eingetreten. Die damalige Wifo-Prognose hat also gehalten und wurde am Donnerstag bestätigt. Die Erwartungen des IHS für das Wirtschaftswachstum in diesem und im kommenden Jahr wurden sogar leicht angehoben (+0,3 Prozentpunkte).

Österreich sei mit einem blauen Auge davongekommen. Die große Krise sei ausgeblieben, sagten Wifo-Chef Gabriel Felbermayr und IHS-Direktor Holger Bonin vor Journalisten. Dennoch habe sich gezeigt, wie verwundbar Österreich durch die weiterhin hohe Abhängigkeit von Öl und Gas sei und wie dringend daher der Ausbau der Erneuerbaren wäre.

Über Durchschnitt

Konkret erwartet Felbermayr für heuer ein Wirtschaftswachstum um 0,9 Prozent und 2027 um 1,1 Prozent. „Das ist nicht stürmisch, aber ganz passabel angesichts der vielen Krisen“, so der Ökonom. Dieses Wachstum sei außerdem um 0,2 Prozentpunkte höher als im Euroraum. Felbermayr: „Österreich ist nicht mehr Tabellenletzter in der Eurozone.“

Beim IHS erwarten Bonin und seine Experten ein ähnliches Wachstum: 0,8 Prozent heuer, 1,0 Prozent im kommenden Jahr. Ähnlich sind sich die Prognosen der beiden führenden Institute auch, was die Inflation, die Arbeitslosigkeit und das Budget angeht.

Felbermayr und Bonin erwarten ein Defizit von 4,0 Prozent heuer bzw. 3,7 Prozent im kommenden Jahr und fordern deshalb einmal mehr, dass die Bundesregierung endlich Reformen von der Gesundheit bis zum Föderalismus angehen müsse. Denn das Doppelbudget sei zwar ohne große Nebengeräusche geglückt, aber eben noch keine ausreichende Sanierung der Staatsfinanzen. So steige die Schuldenquote weiter von 81 auf 84 Prozent, was den Zinsendienst der Republik verteuert und Spielraum im Budget nehme.

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Als Reformvorbild nennen Wifo und IHS die geplante deutsche Pensionsreform. In Berlin ist u. a. von einem höheren Antrittsalter, Einschränkungen für Frühpensionen und neuen kapitalgedeckten Pensionselementen die Rede.

Auch in Österreich

Felbermayr und Bonin sprechen von der „ersten Welle von schmerzlichen, aber notwendigen Reformen, die in Deutschland, aber auch in Österreich kommen müssen.“ Vielleicht mache der sehr ambitionierte Vorschlag der deutschen Rentenkommission, den die Berliner Regierung 1:1 umzusetzen gedenkt, „auch der österreichischen Regierung Mut, sich bei zentralen Herausforderungen wie einer Föderalismusreform durchzusetzen“, hofft Bonin.

Was weitere Standort-Themen angeht, lobte Felbermayr die Lohnnebenkosten-Senkung der Regierung: „Nach vielen Jahren endlich wieder ein sichtbares Signal der Entlastung“. Die gleichzeitige Erhöhung der Lohnnebenkosten für Ältere hält er hingegen für „höchst problematisch“. Genauso wenig gefällt ihm die relativ chaotische Umsetzung der Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel, sie sei „enttäuschend“ und in Wahrheit „ein Riesendesaster“.

Fokus aufs Bauen

Der Wifo-Chef wünscht sich, dass die Bundesregierung jetzt den Fokus auf die Bauwirtschaft lenkt, die bereits im 8. Rezessionsjahr steckt.

Die Nachfrage nach leistbarem Wohnraum sei hoch, es müsse mehr gebaut werden. Neue regulatorische Hürden seien daher abzulehnen, sagt Felbermayr mit Verweis auf den Quasi-Nachfolger der umstrittenen strengen Kreditvergaberegeln (KIM-Verordnung). Gemeint ist der „systemische Risikopuffer“, den Banken als zusätzliches Eigenkapital für Immobilien-Kredite vorhalten müssen.

In einem Punkt sind sich Felbermayr und Bonin nicht einig. Der IHS-Chef hält die Lohnnebenkostensenkung für „wenig zielgerichtet“. Er hätte das viele Geld für die Maßnahmen von netto 1,6 Milliarden Euro eher für Anreize zum Wechsel von Teilzeit auf Vollzeit eingesetzt.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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