
Vor 30 Jahren ging kurier.at online. Grund zu feiern und für diesen Kommentar von Thomas Prenner, der sich zum Jubiläum die Gefahren der KI angesehen hat. Weitere Texte zum Jubiläum, mit Ein- und Ausblicken zu kurier.at finden Sie an dieser Stelle.
Früher war nicht alles besser. Aber jemand, der mit dem Web Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre aufgewachsen ist, dürfte sich ziemlich schwer tun Argumente zu finden, warum das WWW dem heutigen nicht überlegen war. Es war eine Zeit, bevor das Netz von globalen Großkonzernen, Spam und neuerdings auch Künstlicher Intelligenz geflutet wurde.
Aber auch in Zeiten von chinesischer Kurzvideo-Propaganda und russischen Bot-Farmen ist die Welt mit dem Web jedenfalls eine bessere als ohne. Gleichzeitig steht das WWW wegen KI heute vor der größten Herausforderung seiner Geschichte. Diese Technologie, die verspricht, alles zu revolutionieren, greift das an, was seit jeher die Grundfesten des Webs waren, nämlich echte, von Menschen gemachte Information.
Die weltweit größte Suchmaschine Google spuckt heute für viele Anfragen in erster Linie KI-generierten Text aus. Abgesehen von der Tatsache, dass diese KI-Inhalte immer wieder Fehler enthalten, führen sie Leserinnen und Leser nicht auf die Webseiten jener, die sie produzieren. Dadurch entgehen etwa Verlagen die lebensnotwendigen Klicks und damit die wirtschaftliche Grundlage für unabhängigen Journalismus. Google und andere KI-Firmen nutzen die Arbeit von Menschen, um die Antwort direkt auf der eigenen Seite anzuzeigen und schneiden die eigentlichen Schöpfer vom Geldfluss ab.
KI ist zweifelsohne ein tolles Werkzeug, das unsere Art zu leben maßgeblich beeinflussen wird. Sie wird auch nicht weggehen. Wir sollten aber auch daran denken, dass ohne echte menschliche Inhalte, von denen die KI lernt, gar nichts geht. Die Urheber dieser gilt es zu unterstützen. Sei es nur dadurch, dass man die Quellen-Webseiten bei Google nicht einfach beiseite wischt, sondern sie anklickt, auch wenn es im Alltag ein wenig Überwindung und ein Stück Bequemlichkeit kostet. Bei der Gelegenheit kann man dann auch gleich überprüfen, ob das, was die KI daraus gestrickt hat, überhaupt stimmt.
Source:: Kurier.at – Kultur



