
Wer zu Andreas Babler will, kommt in der SPÖ-Zentrale an einem Schild vorbei: „Türe nicht abschließen! Fluchtweg“. Dieser führt hinab in den spärlich erleuchteten Keller. Im zweiten Stock stößt man auf ein Werk von Christina Noelle in Lila mit dem Titel „Abstract Optimism“. Kann man brauchen in Zeiten der Einspardepressionen. Dann ist man im Erkerzimmer des Bundesgeschäftsführers. Bruno Kreisky hängt zweimal an der Wand, ein WM-Fußball liegt auf einer Bank, in der Ecke des Büros des Kulturministers steht ein Flipper, Modell „Dracula“.
KURIER: Bevor wir zum großen Komplex Budget kommen, ein paar andere Fragen. Bei einem ESC-Termin verwendeten Sie den NS-Slogan „Kraft durch Freude“. Warum?
Andreas Babler: Der Ausdruck ist als Teil eines längeren Statements und auch nicht isoliert gekommen, wie es gern dargestellt wird. Es ist nichtsdestotrotz aufgrund der historischen Dimension der Wortfügung besonders bedauerlich. Da ist uns als Team ein Fehler unterlaufen, der mir und uns allen sehr leidtut.
Jüngst haben Sie unsere Sportfans mit dem Wort „Spielerinnen“ erheitert. Unsere WM-Fußballmannschaft ist rein männlich …
Das war bloß ein Versprecher.
Unter Ihrem Vorgänger Werner Kogler von den Grünen wurden Steuermittel für eine Wahlkampf-Doku über Sie zugebilligt. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Es war eigentlich ein Film über den Traiskirchner Bürgermeister, der sich für den Parteivorsitz bewirbt, geplant, er hat sich dann aufgrund der politischen Ereignisse anders entwickelt. Mir war schon klar, dass das kein Hochglanzwerbefilm wird, aber ich habe das akzeptiert.
Und was sagen Sie zum Ergebnis?
Es kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.
Sie sind in erster Linie für die Erhaltung der Bundesmuseen und -theater verantwortlich. Diese renommierten Häuser – von der Albertina bis zur Staatsoper – bekommen 2027 und 2028 genauso viel wie heuer. Gleichzeitig steigen die Gehälter im Ausmaß jener der Beamten. Wie soll sich das ausgehen?
Zudem sind die Kosten gestiegen, darunter für Energie. Aber schauen Sie sich die Budgetnotwendigkeiten in den anderen Ressorts an! Angesichts der Einsparungen insgesamt ist es schon ein Kunststück, dass ich die Basisabgeltung konstant halten kann. Im mittelfristigen Finanzplan waren für Kunst und Kultur nur 577 Millionen Euro vorgesehen. Ich habe mit viel Herzblut verhandelt, und so haben wir jetzt 608,7 Millionen für 2027 und 617,9 im Jahr 2028.
Heuer beträgt das Kulturbudget noch 629,8 Millionen …
Dennoch: Wir haben verhindert, dass es Einschnitte im Spielbetrieb gibt. Und natürlich gibt es eine Perspektive: Wenn wir die Budgetkonsolidierung geschafft haben, können wir die Mittel wieder erhöhen. Jetzt ist eine kritische Zeit, diese Phase ist nicht angenehm, alle müssen einen Beitrag leisten. Lustiger ist es , wenn man in der Zeit regiert, in der das Geld abgeschafft ist, aber die Budgetkonsolidierung ist alternativlos.
Oper kann man nur mit sehr viel Manpower realisieren, die Personalkosten machen fast die gesamte Basisabgeltung aus. Wie sollen die Häuser den Spagat schaffen?
Sie schaffen es! Weil wir den Willen haben, Kunst und Kultur als etwas Wichtiges zu begreifen. Mein Auftrag ist es, Kunst und Kultur abzusichern. Das schaffe ich. Auch mit diesem Budget! Und ich verhindere eine Einschränkung der Leistungen. Wir müssen nichts zusperren, wir haben keine Schließtage-Diskussion, wir haben keine Diskussion um den Gratiseintritt für Kinder …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



