
Nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos 2019 konnte Heinz Christian Strache in der Politik nicht mehr richtig Fuß fassen. Außerdem gab es bisher 15 Verfahren gegen ihn. Zwölf wurden eingestellt, drei endeten mit einem Freispruch.
KURIER: Herr Strache, vor einigen Tagen sind Sie wieder einmal vor Gericht gestanden und es wurde ein Freispruch. Welche Emotion war danach stärker: die Freude über den Freispruch oder der Ärger, dass mittlerweile 15 Verfahren gegen Sie geführt worden sind?
Heinz Christian Strache: Wenn man über sieben Jahre mit über 15 Verfahren konfrontiert wird, obwohl man weiß, dass man nichts angestellt hat, dass einem da oder dort ganz eigenartige Konstruktionen unterstellt wurden, und man erlebt, dass 12 Ermittlungsverfahren eingestellt und drei mit Freisprüchen geendet haben, ist man einerseits erleichtert, dass man der unabhängigen Gerichtsbarkeit vertrauen kann. Andererseits ist es eine enorme psychische Belastung für einen selbst, für die Familie. Deshalb ist nach dem jüngsten Freispruch auch mein Immunsystem zusammengebrochen. Das alles ist eine Dauerbelastung, die sich kaum jemand vorstellen kann. Da ist man nur froh, wenn das Ganze hoffentlich irgendwann einmal vorbei ist.
Sie haben nach dem jüngsten (noch nicht rechtskräftigen) Freispruch an Freunde ein WhatsApp-Posting versandt, dass Sie immer an den Rechtsstaat geglaubt haben. Allerdings steht bei so vielen Verfahren auch die Existenz auf dem Spiel.
Ja, ich vertraue der unabhängigen Gerichtsbarkeit. Auch wenn man über 15 Verfahren gewinnt, hat man in der Regel kaum einen Kostenersatz. Du bleibst auf deinen Kosten sitzen, du kannst das auch nicht steuerlich absetzen. Und als Unternehmer ist der Weg schwierig, weil du permanent eine mediale Vorverurteilung erlebst.
Sie haben in dem Posting geschrieben, dass Sie das Vorgehen der Ermittlungsbehörden als politisch motiviert empfunden haben. Was meinen Sie konkret damit?
Wenn man so viele Ermittlungsverfahren erlebt, viele auch aufgrund von anonymen Anzeigen, viele nach meiner Handyabnahme, wo bei manchen Verfahren nur vermeintlich belastende Chats verwendet werden, wo bei einem Freispruch sogar das Landesgericht festgestellt hat, dass man die entlastenden Chats unter den Teppich fallen hat lassen und damit den Kontext nicht erkennen konnte, dann bekommt man schon das Gefühl, dass alles eine politische Komponente hat. Das grenzt schon an eine massive Verfolgung, anders kann ich das nicht sehen.
Geht es da mehr gegen Ihre Person oder gegen die FPÖ?
Ich glaube, es ist wahrscheinlich eine Kombination aus beidem.
Sie schreiben in dem Posting auch, dass Sie in diesen Jahren viel über Politik, über Menschen, über Loyalität gelernt haben. Meinen Sie Ihre ehemalige Partei, die FPÖ?
Ich meine das generell. Im Mai 2019, als das auf ein paar Minuten reduzierte Ibiza-Video rauf und runter gespielt worden ist, habe ich damals meinen Rücktritt erklärt, um die gut arbeitende Regierung zu retten. Was dann ja nicht eingehalten worden ist. Ich habe gewusst, dass ich mir nichts zu Schulden kommen lassen habe, bin aber von der gesamten Entwicklung erschlagen worden. Damals habe ich natürlich auch erlebt, dass einen Freunde bzw. Wegbegleiter im Stich lassen, dass Menschen, die jahrzehntelang an deiner Seite waren, dich von einem Tag auf den anderen ignorieren, für dich nicht mehr erreichbar sind. Da lernst du die wenigen wahren Freunde …read more
Source:: Kurier.at – Politik



