
In den 1970er-Jahren war von Pekings „Enten-Diplomatie“ die Rede. Zhou Enlai, ein enger Weggefährte Maos und der erste Premier der Volksrepublik, servierte Gästen die weltberühmte Pekingente. Richard Nixon, Henry Kissinger oder Helmut Kohl kamen so in den Genuss des berühmtesten Gerichts der chinesischen Küche. Bis heute darf die Pekingente bei wichtigen Anlässen nicht fehlen.
Selbstverständlich bekam auch US-Präsident Donald Trump beim Staatsbankett Pekingente kredenzt, als er diesen Mai zu Besuch bei Chinas Staatschef Xi Jinping war.
Tradition hin oder her: Wie die Financial Times berichtet, startet Brüssel jetzt eine Wettbewerbsuntersuchung wegen des Verdachts von Dumpingpreisen bei Pekingenten. Namentlich nicht genannte europäische Hersteller beklagen sich über Subventionen, zinsgünstige Kredite und billiges Soja-Futter für die Entenzüchter in China, die ihr Fleisch dann zu Preisen unterhalb der Marktpreise in alle Welt exportieren können.
Laut UN-Daten ist China für 4,8 der 5,0 Millionen Tonnen an Entenfleisch verantwortlich, die jährlich weltweit produziert werden. Der EU-Markt für Entenfleisch dürfte nach Schätzungen 800 Millionen Euro ausmachen, davon kommen 200 Millionen Euro aus China.
Ob beim Chinesen oder beim Wirten: Die Pekingente ist die am häufigsten verbreitete Hausente, die Entenrasse kommt sowohl süßsauer als auch mit Semmelknödeln in Österreich auf den Tisch.
In Österreich ist die Ente nur ein Nebengeschäft
Für die meisten Geflügelzüchter in Österreich ist die Ente freilich ein Nebengeschäft. Mitunter gehen viele Küken an Privatpersonen, die sie für den Eigenbedarf mästen. Im Verkauf sind die Küken weitaus billiger als ein Pekingentengericht – bei der steirischen Geflügelzucht Schulz bezahlt man acht Euro pro Küken, Mindestabnahme drei Stück.
Die heimischen Züchter machen bei ausländischen Pekingenten zu Dumpingpreisen keinen Unterschied: Ob aus China, Polen oder Ungarn, der Verkauf billiger, ausländischer Ware am heimischen Markt schade so oder so, sagt Christoph Weiss, oberösterreichischer Geflügelzüchter, der seit 1988 den Familienbetrieb leitet: Bei Preisschlachten und Lockangeboten, vor allem zur Gänse- und Enten-Hochzeit im Herbst, könnten heimische Züchter nicht mithalten. Weiss sieht da den Handel und die Politik in der Verantwortung. Und merkt an: „Wir haben die strengsten tierrechtlichen Auflagen weltweit. Der Verkauf der Ware unter dem Einkaufspreis ruiniert uns.“
Als Reaktion auf den Preisdruck müssten die Tiere schneller wachsen, würden früher geschlachtet. Jeder Tag Aufzucht kostet Geld: „Vor zwei Jahren wurden Enten nach 52 bis 58 Tagen geschlachtet, heute sind wir bei 48 bis 52 Tagen“, sagt Weiss. Bei bis zu 180.000 Geflügel, die der Familienbetrieb im Jahr aufzieht, ist die Ente auch hier nur Nebenprodukt: Rund 3.000 Pekingentenküken verkauft man jährlich. Beliefert werden Klein- und Mittelbetriebe und Wirte.
Sowohl Rewe als auch Spar geben an, dass ihre Enten im Frischfleisch zu 100 Prozent aus Österreich kommen, Enten aus China gibt es nicht. Im Herbst und zu Weihnachten führe Spar auch „Enten aus Ungarn, die aus einem von VIER PFOTEN freigegebenen Betrieb stammen. In sehr kleinen Mengen“ beziehe man auch italienische Barbarie-Enten.
Weiterverarbeitete Entenprodukte wie etwa Pasteten dürften großteils aus dem Ausland stammen. Aus dem Landwirtschaftsministerium heißt es, Österreich könne seinen Eigenbedarf an Entenfleisch nur zu 30 Prozent aus eigener Produktion decken. Das liege auch daran, dass Entenfleisch überwiegend saisonal – insbesondere rund um Festtage – nachgefragt wird und unter dem …read more
Source:: Kurier.at – Politik



