
aus Berlin
Im Berliner Stadtteil Friedrichshain fast direkt am Ufer der Spree liegt die Zentrale eines der größten europäischen eCommerce-Unternehmen, Zalando. Die Optik des „Campus“ ist modern, Mitarbeiterangebote wie eine Videospiel-Ecke und ein Fitnesscenter erinnern fast an die Headquarter von US-Techgiganten wie Google.
Zalando gehört zu den großen Playern im Onlinehandel. 2,8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete der deutsche Konzern 2025. In Österreich liegt das Unternehmen mit einem Marktanteil von 5,5 Prozent auf dem dritten Platz unter den Onlinehändlern. An der Spitze steht seit Jahren Amazon mit fast 30 Prozent Marktanteil. 2025 wurde Zalando erstmals von Temu überholt (5,6 Prozent). Der Wettbewerb im eCommerce wird härter. Vor allem die chinesischen Anbieter, die seit Jahren stark auf die europäischen Märkte drängen, geben mittlerweile immer mehr den Ton an.
Die Trends im Onlinehandel kommen meist aus China
„Wir sehen, dass viele Trends im asiatischen Raum entstehen und sich dann ausbreiten“, erzählt Max Bankewitz, Chef von Zalando Deutschland, Österreich und Schweiz, dem KURIER. Aus diesem Grund hat Zalando 2024 einen eigenen Tech-Hub in Shenzhen/China eröffnet. Man wolle Branchenentwicklungen genau beobachten, um von ihnen zu lernen. An den chinesischen Ultra-Fast-Fashion-Anbietern Shein oder Temu wolle man sich dabei explizit nicht orientieren. Diese hätten nicht nur ein deutlich niedrigeres Preisniveau, sondern würden auch europäische Standards und Zollregelungen gezielt umgehen.
Seit 1. Juli wird innerhalb der EU für Sendungen aus Drittstaaten mit einem Wert bis zu 150 Euro ein pauschaler Zoll von drei Euro erhoben. „Wir begrüßen die Entscheidung, gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen zu wollen“, erläutert Bankewitz. „Wer in Europa Geschäfte tätigt, muss sich an europäische Standards und Kostenstrukturen halten.“
Dass sich die chinesischen Anbieter in Europa breitmachen, sei nicht überraschend. Insgesamt sei das Wachstumspotenziel für eCommerce in Europa noch größer als in Asien oder den USA, so Zalando-Co-CEO David Schröder. Um sich vom Mitbewerb abzuheben, müsse man seinen Kunden ein Erlebnis bieten. Deswegen versucht Zalando etwa, Konsumenten durch Funktionen wie personalisierte Outfit-Inspirationen und einem KI-Chatbot als Modeberater Konsumenten an die Plattform zu binden.
Online-Plattformen haben weiterhin Nachteile gegenüber stationären Händlern
Zudem will der Konzern die Nachteile, die Webshops gegenüber dem stationären Handel haben, ausgleichen. Etwa indem die Lieferung durch die Teilautomatisierung von Logistikzentrum durch den Einsatz von Robotern reduziert wird. Wie viel dafür investiert wird, teilt Zalando nicht mit.
Auch die fehlende Möglichkeit, Kleidung anzuprobieren, bleibt Thema: „Unser größtes Problem ist die Größe der Kleidungsstücke“, sagt Schröder. Denn was nicht passt, wird zurückgesendet. Das führt zur Unzufriedenheit beim Kunden und verursacht Kosten bei Zalando. Denn laut Angaben des Konzerns werden 98 Prozent der retournierten Produkte wieder inventarisiert.
Um Rücksendungen zu verhindern, bietet Zalando mittlerweile eine digitale Umkleidekabine an. Nutzer können ihre Körpermaße mittels KI ermitteln und einen personalisierten Avatar gestalten. Dieser wiederum kann Jeans und T-Shirts dann auf dem Bildschirm anprobieren. Die Größen stammen aus dem hauseigenen „Fitting Lab“ oder werden anhand von früheren Retouren berechnet. Das Angebot werde gut angenommen. Jede Woche würden 20.000 Nutzer aus 26 Märkten Zalando so ihre Körpermaße bekannt geben. Mittlerweile zeigte die Funktion erste Erfolge: Bei Produkten, bei denen das Unternehmen die Größenmaße kennt, sei die Zahl der Retouren 2025 um ganze …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



