Was der Fußball vom US-Sport lernen kann

Sport

„Wir wollen die Nummer eins werden“, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Nordamerika. Der Fußball in den Staaten erlebte in den vergangenen Jahren tatsächlich ein exponentielles Wachstum. Das WM-Sechzehntelfinale der USA gegen Bosnien-Herzegowina verfolgten 24,4 Millionen US-Amerikaner vor ihren TV-Geräten.

Genau so wie das enttäuschende 1:4 im Viertelfinale gegen Belgien von den US-Medien als „Reality-Check“ betitelt wurde – dasselbe gilt weiterhin für das Standing von Fußball im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Den Superbowl, das Finale der größten American-Football-Liga, verfolgten im Februar knapp 125 Millionen.

Von einer Krönung ist „König Fußball“ in den USA also noch weit entfernt. Die Popularität der traditionellen Sportarten (Football, Basketball, Baseball, Eishockey) ist die eine Sache, womöglich liegt es einfach an der Natur der Sportart selbst. 

Was kann sich der Fußball von den US-Sportarten abschauen? Welche „Traditionen“ stören US-Sportfans besonders?

1. Netto vs. Brutto

Norwegen gegen Brasilien, Achtelfinale. Wir schreiben die 111. Spielminute. Obwohl „nur“ sieben Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, kämpfte die Selecao immer noch um den Ausgleich. Eine Logik, die besonders für US-Sportfans keinen Sinn ergibt. Anstatt einer genauen Zeitnehmung sagt der Schiedsrichter: „Ein Eckball geht noch.“

Trotz zahlreicher Regeländerungen ziehen sich die Fußballspiele bei dieser WM immer mehr in die Länge. Der Hauptgrund sind mit Sicherheit die Trinkpausen, ungefähr in der Mitte der ersten und zweiten Hälfte. Doch selbst hier traut sich der Fußball nicht, die Zeit anzuhalten. Die FIFA weiß sehr wohl, dass man sich hiermit die Büchse der Pandora öffnen würde.

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Beim Gruppenmatch zwischen Tschechien und Südkorea sollen es nur 51 Minuten Nettospielzeit gewesen sein. Im Schnitt sind es derzeit um die 63 Minuten. Der deutsche Ex-Profi Christoph Kramer sagte dazu in einem Podcast: „Lass einen Countdown runterlaufen, zweimal 30 Minuten, damit ist allen geholfen.“ US-Sportfans würden sich jedenfalls erfreuen.

2. „Stehen bleiben“

Die Fußballer und ihre Theatralik. Eine Eigenschaft, die besonders bei Anhängern des American Footballs und Eishockeys sauer aufstößt. Die FIFA versucht seit Jahren, Schwalben zu minimieren und Spieler, die eine Verletzung vortäuschen, zu bestrafen. Ist das Schauspiel aber schon zu sehr in der Fußballer-DNA verankert?

Der beste Ratschlag kommt von Eishockey-Star Leon Draisaitl. „Einfach mal stehen bleiben. Man muss nicht immer fallen“, so der Deutsche bei Magenta TV. Seit es in der Basketball-Profiliga NBA mehr europäische Starspieler gibt, sind Schwalben zu einem heißen Diskussionsthema geworden. Zufall? Entscheiden Sie!

3. VAR-Entscheidungen

„After Review, Number 10. Paraguay! Cover his Mouth! Decision is Red Card!“ Mit dieser Verkündung machte sich WM-Schiedsrichter Ivan Barton (El Salvador) zum Internet-Hit. Was ein dramatischer, spielentscheidender Moment sein sollte, erinnert bei den meisten Referees aber eher noch an einen peinlichen Open-Mic-Auftritt in einem kleinen Wiener Pub.

Besonders in der National-Football-League (NFL) werden kritischen Entscheidungen von den Schiedsrichtern sehenswert kommuniziert – mit Blick in die TV-Kamera und akustisch gut verständlich. Ob die Schiedsrichterentscheidung dann tatsächlich die richtige war, ist eine andere Sache. Aber davon kann der Fußball ohnehin ein ganzes Album singen.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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