„Ballerina im Tutu, das fühlte sich wie ein Fremdkörper an“

Kultur

Von: Silvia Kargl

Mit ihrem explosiven Tanzstil erlangte Louise Lecavalier in Édouard Locks Compagnie La La La Human Steps Berühmtheit. In Erinnerung bleiben ihre „Barrel Jumps“: In diesen horizontal ausgeführten Pirouetten schien sie über die Bühne zu fliegen.

Mehr als vier Jahrzehnte später ist dem unprätentiös gebliebenen Superstar der Tanzwelt Dynamik in der Bewegung immer noch alles, wie bei ImPulsTanz in ihrem grandiosen Solo „Danses vagabondes“ im Akademietheater zu sehen. Inspiriert von „Écrits Vagabonds“ des Quantenphysikers Carlo Rovelli und zu Musik von Dawn of Midi bis Nick Cave begibt sie sich auf eine getanzte Reise mit Transformationen im Kostüm und vor einer Video- und Lichtinstallation.

Flut an Bewegungen

Lecavalier bleibt ihrem Stil treu: Rasant, riskant, mit viel Kraft für eine Flut an Armbewegungen, Schritten und Sprüngen wirbelt sie in präziser Abstimmung mit der Lichtregie über die Bühne. Schier unglaublich, wie ihre Hände flirren, wie sich die Energie in ihrem zierlichen Körper entlädt, wie jeder musikalische Beat in Bewegung umgesetzt wird.

Sie trat mit David Bowie und Frank Zappa auf und drehte einen Film mit Regisseurin Kathryn Bigelow. 2006 gründete sie ihre eigene Compagnie Foux Glorieux in ihrer Heimatstadt Montréal, die ihr 2021 die Ehrenbürgerschaft verlieh. Im Gespräch mit dem KURIER blickt Lecavalier zurück auf ihre Karriere.

Wie fand sie zum Tanz? „Am Anfang stand Ballettunterricht, aber nur kurz. Ich schätze die Balletttechnik nach wie vor, mir gefielen Ballette von Maurice Béjart, die im Fernsehen liefen. Aber ich sah mich nicht als Ballerina im Tutu, das fühlte sich für mich wie ein Fremdkörper an.“ Etwas anderes als die Verbindung von Körper und Geist hat sie im Tanz nie interessiert: „Wenn man auf der Bühne Geschichten erzählen will, gibt es dafür geeignetere Kunstformen“.

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Auch im Ballett übliche Hierarchien haben sie irritiert. Bei La La La Human Steps wurde sie in weltweiten Gastspielen mehr zur Frontfrau als zu einer Primaballerina: „Ich sah mich auch damals nicht als eine führende Tänzerin, war gerne mit allen anderen auf einer Ebene zusammen.“ Sie sucht bis heute die Freiheit im Tanz, die ihr erlaubt „nie perfekt zu sein.“ Oft war die Spannung im Publikum groß, hatten viele Angst, dass sich Lecavalier bei ihren spektakulären Bewegungen verletzen könnte. „Daran habe ich nie gedacht, da war ich zu gut vorbereitet. Doch bis heute mache ich mir vor dem Auftritt viele Gedanken darüber, wie ich mich selbst auf der Bühne präsentiere. Ich kenne Lampenfieber gut“, stellt sie klar.

Und wie findet sie die Musik, die ihr viel Drive gibt? „Da vertraue ich meinem Berater Patrick Lamothe, der genau weiß, welche Musik ich brauche. Ich fixiere sie immer schon vor Probenbeginn.“

Freude vom Anfang

Im Unterschied zum lauten Rahmen ihrer Auftritte schätzt sie in der Zusammenarbeit kleinere Formate, tanzt neben Soli auch Duos – und trennte sich aus diesem Grund 1999 von der wachsenden Compagnie La La La Human Steps: „Ich wollte mir meine Freude vom Anfang zurückholen.“

Nicht zuletzt ihre viel Disziplin verlangende Technik, die sie auch unterrichtet, hat die Ausbildung im Tanz verändert: „Die Kontinuität hilft, die Technik weiterzuentwickeln. Das Körperbewusstsein hat in den letzten Jahren allgemein mehr Beachtung gefunden, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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