
Es sind schwierige Tage für die Wirtschaftskammer Wien (WKW). Präsident Walter Ruck (ÖVP) ist massiv unter Druck geraten, nachdem Krone und profil Protokolle von vertraulichen Gesprächen veröffentlichten. Ruck soll darin offen über seine Einflussnahme auf die Erstellung von Wahllisten sowie Postenschacher plaudern – und offenbart ein – freundlich formuliert – altmodisches Frauenbild.
Ruck sieht bisher keinen Grund, sein Amt zu räumen. Auch nicht nach indirekten Aufforderungen von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und WKO-Präsidentin Martha Schultz.
Unabhängig davon werden immer neue Details über Ruck und den Umgang der WK Wien mit den Umlagen – gemeinhin auch „Zwangsbeiträge“ genannt – ihrer Mitglieder publik. Wofür gibt die WK Wien das Geld von Unternehmen aus und wird dieses wirklich sinnvoll investiert?
Dem KURIER liegt ein internes WKW-Papier mit den Kosten mehrerer Events im Jahr 2024 vor, die sich auf rund 86.500 Euro summieren. Österreichs Betriebe kämpften damals das zweite Jahr in Folge gegen die Rezession, bei ihrer Vertretung herrschte offensichtlich eher kein Sparbedarf.
33.000 Euro für Event mit Henry Maske
Die Sparte Handel lud beispielsweise am 14. Oktober 2024 in die Sofiensäle. „Nur wer aufgibt, hat verloren“, erklärte dabei Ex-Boxweltmeister Henry Maske den Gästen in einer Motivationsrede. Gekostet haben soll das Event demnach motivierende 33.000 Euro.
Auf der Liste findet sich auch eine Veranstaltung der Sparte Information und Consulting mit Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky, die es auf 18.431,40 Euro brachte. Ein Event mit Unternehmer Philipp Maderthaner, der 2017 die Wahlkampagne von Ex-Kanzler Sebastian Kurz orchestrierte, ist mit 10.200 Euro ausgewiesen.
Weitere 10.320 Euro ließ man sich am 11. September 2024 ein dreistündiges „Netzwerken“ samt Keynote von Ex-Skirennläuferin Alexandra Meissnitzer kosten. Thema: das 15-jährige Jubiläum des „Forum EPU“, das sich demnach um Ein-Personen-Unternehmen kümmert.
Ein zweistündiger Vortrag von Profiler Mark T. Hofmann, am 23. Oktober 2024 im Palais Berg, soll 5.850 Euro gekostet haben, ein Event mit dem Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier immerhin 2.511,60 Euro. „Mehrere“, nicht näher definierte Veranstaltungen mit Politikberater Thomas Hofer sind mit 4.440,50 Euro ausgewiesen.
„Kostenfreier Zugang zu Know-how“
Die Daten zu den Events sind nicht öffentlich zugänglich und werden auch nirgends transparent ausgewiesen. Sie werden von der WKW auf KURIER-Anfrage weder bestätigt, noch dementiert. Auch die Frage, wie sich die Kosten der Events genau zusammensetzen und wie viel 2024 insgesamt für Veranstaltungen ausgegeben wurde, bleibt unbeantwortet. Deshalb ist auch schwer zu sagen, ob die WK Wien ihre prominenten Redner marktüblich bezahlt.
In einem allgemein gehaltenen Statement der WKW heißt es: „Zu Ihren Fragen unser Input: Als Interessenvertretung ist es Kernaufgabe der WK Wien, Wiener Mitgliedsbetriebe (insbesondere EPU und KMU) praxisnahe Impulse, Weiterbildung und strategisches Know-how zu bieten.“
„Top-Speaker“ würden „fachliche Exzellenz und hohes Teilnehmerinteresse“ garantieren. Und: „Die Veranstaltungsbudgets stellen eine sehr zielgerichtete Investition dar, die Unternehmerinnen und Unternehmern kostenfreien Zugang zu Know-how und B2B-Netzwerken ermöglicht.“
Source:: Kurier.at – Politik



