Graphic Novel über Beuys: „Wahr und erlogen zugleich!“

Kultur

„Dear Beuys!“, schreibt Susan Sontag: „Seit Tagen spricht man hier von dem verrückten Deutschen. Von dem Mann, der mit einem Kojoten eingesperrt ist. Viele meiner Freunde waren bereits hier und erzählen verworrene Dinge – der Kojote, der dich angreift, an deiner Kleidung zerrt. Vom tierischen Geruch wie in einer Menagerie. Wir Amerikaner lieben nun einmal gute Stories!“

Ob die amerikanische Journalistin und Schriftstellerin Susan Sontag (2004) tatsächlich Joseph Beuys besuchte, als dieser sich 1974 mit einem Kojoten in einer New Yorker Galerie einsperren ließ, um mit ihm in Dialog zu treten, ist nicht bekannt. Erst recht darf angezweifelt werden, dass sie dem Künstler Briefe schrieb. Die „Story“ ist auf jeden Fall gut.

Komplexe Künstlerfigur

Der österreichische Künstler Lenz Mosbacher verwendet Sontag als eine von fünf zum Teil historischen Charakteren, um seine Version des Lebens der komplexen Künstlerfigur Joseph Beuys (1921–1986) zu erzählen. Das Verfahren ist legitim und nachvollziehbar: Auch Beuys selbst reicherte seine Vita mit allerhand Fiktion an.

„Wahr und erlogen zugleich!“, lautet der Tenor der „großen Beuys-Symphonie“, in die sich Lenz Mosbacher mit seinem Porträt „Beuys – Die Erfindung der Wahrheit“ einreihen will. Der 1993 geborene Wiener nähert sich in seinem Graphic-Novel-Debüt dem Leben und Werk Joseph Beuys’ auf sehr persönliche Weise. Das Motto des Düsseldorfer Kunst-Allrounders lautete: „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ Dies sei immer noch aktuell, schreibt Mosbacher. Denn Beuys habe damit gemeint, dass jeder Mensch Fähigkeiten habe, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

Ausdrucksstark schwarz-weiß

Historische Momente und Persönlichkeiten in Beuys’ Leben, darunter etliche, die er später neu erzählt hat, werden in ausdrucksstarken schwarz-weiß Grafiken dargestellt. Von seinem zum Trauma gewordenen Flugzeugabsturz im Krieg über die zur Kunstaktion gewordene Begegnung mit dem (in Wahrheit wahrscheinlich zahmen) Kojoten bis zu Beuys’ Polit-Aktivismus.

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Mosbacher hat dem Bildhauer, Aktionskünstler und Kunsttheoretiker 40 Jahre nach dessen Tod ein eindrucksvolles Porträt gewidmet. Er beschreibt seinen Idealismus und Wahnwitz, betreibt aber keine Heiligenverehrung, er will ihn „weder verdammen noch erhöhen“.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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