Tod eines Marokkaners sorgt in Italien für heftige Proteste

Politik

Als die Polizisten Abderrahim Fakirs Knöchel fesseln, ist dieser längst tot. Mehrere Minuten lang knien die beiden Beamten und ein Anrainer über dem Mann und drücken ihn mit dem Gesicht nach unten auf den heißen Asphalt, seine Hände sind auf dem Rücken in Handschellen gelegt. Mehrfach ruft Fakir nach Hilfe („Aiuto! Basta, basta!“), doch die Polizisten lassen nicht von ihm ab. Dann wird der Mann still, bewegt sich nicht mehr. Ein anwesender Notarzt in der Via Svevo in Bologna stellt um 12.53 Uhr mittags Abderrahim Fakirs Tod fest – da war dieser bereits auf Video dokumentiert.

Dieses, von einem Nachbarn am Sonntag gefilmte Material, verbreitet sich seitdem in Italien wie ein Lauffeuer und sorgt bis weit über die Landesgrenzen hinaus für Empörung. Vieles über den Vorfall ist dabei noch offen. Bekannt ist lediglich, dass die Polizei am Sonntag in der norditalienischen Stadt in das Viertel Pilastro gerufen wurde, weil ein Mann, dessen Beschreibung auf Fakir zutrifft, randaliert haben soll. 

Psychische Ausnahmesituation

Beim Eintreffen der Beamten soll er gegen den Streifenwagen geschlagen haben. Die Beamten orteten eine psychische Ausnahmesituation und riefen einen Krankenwagen. Dann setzten sie Pfefferspray ein und überwältigten ihn. 

Berichten zufolge soll Fakir Verletzungen am Kopf und im Gesicht aufgewiesen haben. Ob er gesundheitliche Probleme hatte, ist noch unbestätigt; das Obduktionsergebnis ist ausständig. Eine Körperkamera eines Polizisten wurde der Staatsanwaltschaft übergeben.

Unternehmer

Der 42-jährige Einwanderer aus Marokko lebte seit mehr als 30 Jahren in Italien. Er war Unternehmer, besaß eine kleine Speditions- und Reinigungsfirma. Viele fühlen sich an den Tod George Floyds in den USA erinnert, der 2020 die gewaltigen „Black Lives Matter“-Proteste auslöste. Amnesty International zieht in einer Aussendung Parallelen zu anderen Fällen von Polizeigewalt in Italien und nennt die Bilder „erschreckend“.

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Die Familie des Verstorbenen erhebt schwere Vorwürfe: „So darf man nicht sterben, die Polizei muss uns beschützen. Wenn jemand aufgeregt ist, muss man ihn beruhigen, ihn nicht umbringen und ihn bei 38 Grad in die Sonne legen“, so Fakirs Schwester zum Corriere della Sera.

In mehreren Städten ist es seitdem zu Protesten gekommen. In Bologna wurden bei Ausschreitungen am Montag 64 Einsatzkräfte verletzt. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni versprach zwar Aufklärung, verurteilte die Gewalt gegen Einsatzkräfte aber scharf.

Für Wirbel sorgt zudem, dass gegen die zwei Polizisten und vier anwesenden Sanitäter zwar Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung laufen. Allerdings nach dem neuen Sicherheitsgesetz, wonach Einsatzkräfte nicht mehr automatisch als Beschuldigte zählen. Sie werden in ein eigenes Vorregister und nicht direkt in ein Ermittlungsregister eingetragen. Erst wenn sich zeigt, dass ein auf den ersten Blick vorzuliegen scheinender Rechtfertigungsgrund, warum Gewalt angewendet wurde, nicht greift, wird ein reguläres Ermittlungsverfahren eingeleitet. Kritiker nannten das Gesetz bei der Einführung ein „Schutzschild“ für Polizisten.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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