Keiner kennt mehr Spider-Man: Tom Holland muss sich neu erfinden

Kultur

Von Gabriele Flossmann

„Mit großer Macht kommt große Verantwortung“, lautet ein Spider-Man-Zitat. Allerdings braucht die meistgesehene Spinne der Welt kein Kino, um mächtig zu sein. Gerade fünf Jahre ist es her, dass Tom Holland – der gerade als Odysseus’ Sohn Telemachos im Kino zu sehen ist – mit „Spider-Man: No Way Home“ in kürzester Zeit weltweit mehr als einer Milliarde Dollar einspielen konnte. Inzwischen hat Holland die griechische Tunika wieder abgestreift und ist stattdessen erneut ins blau-rote Kostüm des Spinnenmannes geschlüpft.

Die oft argwöhnisch betrachtete Gut-gegen-Böse-Moral der Vigilanten aus der Marvel-Comic-Welt, zu denen neben Spider-Man auch Superman oder Batman gehören, trifft – seit Beginn ihrer Entstehungsgeschichte in den frühen 1960er-Jahren – mehr und mehr auf ein aktuelles Lebensgefühl. Immer mehr Menschen fühlen sich zu gewalttätiger Selbstjustiz legitimiert. Wo aber steht der „neue“ Spider-Man in diesem Szenario? Durch Risse im Raum-Zeit-Kontinuum waren im vorherigen Film „Spider–Man – No Way Home“ ungebetene Gäste in seine Realität geraten: Notorische Antagonisten wie Doctor Octopus, der fiese Green Goblin, Sandman, Electro und der Echsenmensch „The Lizard“.

Im neuen Film erwacht Peter Parker – so der bürgerliche Name von Spider-Man – in einer Welt, die ihm vertraut, aber doch auch verändert erscheint. Sein früheres Leben ist ausgelöscht. Niemand erinnert sich mehr an seine wahre Identität. Während er versucht, als anonymer Student in New York Fuß zu fassen, stürzen neue Bedrohungen die Stadt ins Chaos und konfrontieren Peter nicht nur mit mächtigen Gegnern, sondern auch mit den persönlichen Folgen seines Doppellebens. Seine Hoffnung, als Peter Parker ein „normales“ Leben führen zu können, ist damit zu Ende. Er muss und will das Gute in der Welt auch weiterhin verteidigen.

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Zweite Chance

Die Filmemacher nutzen diesen Umbruch, um Peter Parkers Wiederbeginn als Spider-Man neu zu definieren, ohne das Vergangene auszulöschen. Diese Entscheidung gibt dem Film die Freiheit, zu experimentieren und die Ursprungsgeschichte neu zu interpretieren und zu erforschen, wie Trauer und eine zweite Chance nebeneinander bestehen können. Der Spinnenmann agiert nach dieser Ausgangslage überraschend angriffiger. Für eingefleischte Spider-Man-Fans bietet der neue Film eine Retro-Geschichte, die aus dem ewigen Selbstzitat des Genres eine Tugend macht. Einen Mix aus ein bisschen Herzschmerz, Thrill und viel Action.

Mit dabei ist auch wieder Zendaya als MJ. Die Schauspielerin ist im echten Leben mit Holland liiert. Unterstützung erhält Spider-Man von einer weiteren berühmten Marvel-Figur: Bruce Banner alias Hulk. Wer eine klare Exposition und Logik bevorzugt, wird in diesem Film nicht bedient. Wer hingegen eine dynamische Inszenierung erwartet, ist hier richtig.

Die Actionsequenzen sind das unbestreitbare Herzstück des Films. Die Choreografie stellt die Körperlichkeit der Darsteller über digitale Effekte. Die Kamera ist nah an den Gesichtern der Schauspieler, um zu demonstrieren: Hier agieren Menschen, keine KI. Anspielungen auf Kindheitserinnerungen sollen den Superhelden mit mehr Menschlichkeit ausstatten und den härteren Actionszenen zusätzliche Wirkung verleihen.

Die Balance zwischen oberflächlichen Pointen und Gags während der Kampfszenen und Spider-Mans subtilem Humor und ernsthafter Selbstreflexion ist nicht immer harmonisch. Aber wenn sie funktioniert, entstehen überraschende Szenen.

INFO: USA 2026. 145 Min. Von Destin Daniel Cretton. Mit Tom Holland, Zendaya.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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