Filzmaier über Causa Ruck: „ÖVP könnte sie beknien, beschimpfen, bedrohen“

Politik

Die Causa rund um den Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien (WKW), Walter Ruck, ist seit Mittwoch um eine Episode reicher.

Das Boulevardmedium oe24 spielte am Mittwoch einen Auszug der Audiopassagen eines Tonbandmitschnitts ab.Mit Ruck im Weinkeller sollen eine Runde aus ÖVP- und SPÖ-Funktionären gesessen sein.

Auch der KURIER hat die Tonaufnahme eines bisher unbekannten Ausschnitts des Gesprächs zugespielt bekommen. Darin geht es mutmaßlich um ein Immobiliengeschäft mit Verbindung zu Ruck, eine mögliche Einflussnahme Ludwigs – und viele Millionen Euro. 

Peter Filzmaier über Causa Ruck

Die Causa zieht also weiter ihre Kreise. Am Mittwoch-Abend war dazu auch Politikwissenschafter Peter Filzmaier zu Gast in der ZiB2. Er erklärte, warum Rücktrittsaufforderungen bisher wirkungslos geblieben seien: Die ÖVP habe „formal nichts und absolut gar nichts in der Hand“, weil der Wiener Wirtschaftsbund organisatorisch unabhängig sei.

Selbst ein Ausschluss aus der Partei würde laut Filzmaier nicht automatisch dazu führen, dass Ruck seine Funktionen in Wirtschaftsbund oder Wirtschaftskammer verliert. Die Partei könne nur versuchen, einzelne Funktionäre zum Umdenken zu bewegen. Hinter den Kulissen könne man versuchen, sie „zu bitten, sie zu beknien, sie zu beflegeln, sie zu beschimpfen, sie zu bedrohen, damit sie diese geschlossene Front für Ruck doch nicht durchhalten“.

Druck auf Schulz

Für die neue Wirtschaftskammer-Präsidentin Martha Schulz sei die Affäre besonders belastend. „Für Martha Schulz ist das ein Desaster“, sagte Filzmaier. Dabei gehe es mittlerweile um mehrere Themen gleichzeitig: Vorwürfe des Postenschachers, Frauenfeindlichkeit und mögliche Tricksereien bei der Wiener Kammerwahl.

Kritisch sieht Filzmaier auch die Rolle von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Dass dieser die Personalentscheidung rund um die Wiener Wirtschaftsagentur nicht scharf kritisiere, sei politisch nachvollziehbar, weil die Stadt Wien selbst eingebunden gewesen sei. Ludwig habe zudem „Interesse an einer schwachen ÖVP in Wien“.

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FPÖ profitiert

Weniger verständlich ist für Filzmaier aber, warum sich Ludwig bei den Vorwürfen der Frauenfeindlichkeit nicht stärker distanziert habe: „Da hätte er sich klarer abgrenzen können.“

Als klaren Gewinner der Debatte sieht der Politikwissenschafter die FPÖ. Die Freiheitlichen könnten nun von der Schwächung der ÖVP profitieren, während Themen wie Postenbesetzungen derzeit vor allem mit Rot und Schwarz verbunden würden.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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