Weinexpertin: „Männer wollen Prestige, Frauen geht es um den Geschmack“

Wirtschaft

Die Rolle von Frauen in der Weinbranche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr stark gewandelt, erzählt Weinexpertin Romana Echensperger dem KURIER. Als sie in den frühen 2000er-Jahren als Chefsommelière in der Spitzengastronomie begonnen hat, sei noch vieles schwieriger gewesen. „Da musste man sich immer beweisen und als Frau noch die extra Meile laufen und 120 Prozent geben.“ 

Mittlerweile hat sich einiges getan. Bei Branchenveranstaltungen ist die Geschlechteraufteilung meist ausgewogen. Geschlechterunterschiede seien kein Thema mehr. „Wir Frauen sind überall angekommen.“ Und sie sind gekommen, um zu bleiben: „Wir haben so lange dafür gekämpft. Die Wurst lassen wir uns jetzt nicht mehr vom Brot nehmen.“

Frauen trinken anders Wein als Männer

Auch als Konsumentinnen spielen Frauen eine große Rolle für die Weinproduzenten und -produzentinnen. Sie würden etwa anders Wein trinken als Männer es tun, erzählt Echensperger, die seit 2015 den höchsten Titel in der internationalen Weinbranche, Master of Wine, trägt. „Männer schauen oft mehr auf Prestige, Frauen geht es primär um den Geschmack“, sagt sie im Gespräch mit dem KURIER. Frauen würden außerdem häufiger anlassbezogen Wein trinken, etwa beim Mädelsabend mit Freundinnen. „Da geht es dann nicht darum, jemanden zu beeindrucken, sondern um den Moment.“

Die Etiketten auf vielen Weinflaschen sollen explizit Konsumentinnen ansprechen und zum Kauf animieren. „Frauen sind eine ganz wichtige Zielgruppe für die Weinbranche, weil sie oft diejenigen sind, die in den Supermarkt einkaufen gehen“, so die Weinexpertin. Oft werde deswegen etwa der Alkoholgehalt gut sichtbar angegeben, weil Frauen diesen bei der Kaufentscheidung stärker beachten. 

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Frauen treiben den Trend rund um alkoholfreie Weine an

Auch der Trend rund um alkoholarme und -freie Weine sei seit je her eher von der weiblichen Seite befeuert worden. „Weil Frauen hatten schon immer das Thema, dass sie während der Schwangerschaft keinen Alkohol trinken.“

Was den Geschmack von Frauen und Männern angeht, seien viele Vorurteile stark veraltet, erzählt Wein&Co-Chef Johannes Vasak dem KURIER. „Früher hätte man gesagt, dass ein dichter, gehaltvoller Rotwein ein klassisch maskuliner Männerwein ist. Aber den trinken Frauen heute genauso gern. Genauso gibt es viele Männer, die gerne Rosé-Wein trinken. Der wird immer eher in die weibliche Schiene gedrückt, was aber ein kompletter Blödsinn ist.“

Einen Wandel gibt es auch im Weinbau: Die Zahl der Winzerinnen steigt. Belastbare Zahlen gebe es zwar keine, aber wer mit offenen Augen durch die Branche gehe, sehe die Entwicklung, so Josef Glatt, Direktor des Österreichischen Weinbauverbands.

Hintergrund sei ein gesellschaftlicher Wandel: „Früher gab es noch stärker die althergebrachte Nachfolgestruktur. Heute muss nicht unbedingt ein Sohn Betriebsnachfolger werden.“ Dass der Frauenanteil wächst, zeige sich auch in den Weinbauschulen. Während es dort vor wenigen Jahrzehnten nur vereinzelt Schülerinnen gegeben habe, sei das Verhältnis heute oft gut ausgeglichen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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