
Am ÖFB-Campus in Wien-Aspern ist immer Betrieb. Es vergeht keine Woche ohne internationale Gäste. Vergangene Woche waren sie prominent: Brighton & Hove Albion, der Tabellenneunte der vergangenen Premier-League-Saison, war zu Gast. „Bitte behandeln Sie unsere Anwesenheit vertraulich, so lange wir noch hier sind“, sagt der Pressesprecher des Klubs beim Medientermin.
Die „Seagulls“ (Möwen) aus dem Süden Englands haben ab sofort Österreich-Bezug: Michael Svoboda wechselte für fünf Millionen Euro Ablöse vom FC Venezia auf die Insel.
Einen Tormannausschuss entfernt vom ÖFB-Campus, beim FC Stadlau, hat der Wiener einst gespielt und als 19-Jähriger den Sprung in die Bundesliga zu WSG Tirol geschafft. „Das war ein Riesenschritt“, erinnert sich der heute 27-Jährige. Jetzt soll er reif sein für die beste Liga der Welt und ausgerechnet in seiner Heimatstadt läuft dafür nun die Vorbereitung.
Viel Konkurrenz
„Ich war in Venedig in einer guten Situation als Kapitän. Aber dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen“, sagt der Innenverteidiger zu seinem Transfer. Auf seiner Position herrscht bei Brighton Konkurrenz. Acht zentrale Abwehrspieler stehen im Kader. „Wir hatten gute, ehrliche Gespräche“, sagt Svoboda zu den Verhandlungen. Es sei besprochen worden, in welchen Bereichen er schon für die Premier League bereit sei, und in welchen er noch arbeiten könne.
Und obwohl Michael Svoboda mehr als fließend Englisch spricht, kann es helfen, dass er mit seinem Trainer nun in seiner Muttersprache parlieren kann. Der Deutsch-Schweizer Fabian Hürzeler coacht Brighton seit zwei Jahren. Mit 31 wurde er zum jüngsten Trainer, der je ein Team in der Premier League betreut hat.
Schnitzel und Kaiserschmarren
Wien kennt und schätzt er. „Ich hatte mal mit einer Dame eine Beziehung hier“, schmunzelt der junge Trainer, der in dieser Woche auch dem Betreuerstab von 40 Leuten Wien gezeigt hat. „Wir waren Schnitzel und Kaiserschmarren essen. Die Engländer waren begeistert.“ Hürzeler selbst schätzt neben der Stadt und dem Essen die Trainingsbedingungen beim ÖFB und seinen Neuzugang aus Österreich. „Michael Svoboda passt zu unserem Stil und er hat den Charakter, dass er jeden Tag besser werden will.“ Woran er das festmacht? „Er geht nach jedem Training zum Analysten und fragt, was er besser machen kann.“
Die Zeit, sich an die Intensität der Premier League zu gewöhnen, werde Svoboda bekommen. „Er ist hier, weil wir viel Potenzial in ihm sehen“, sagt Hürzeler, der sich in Wien auch mit Ralf Rangnick getroffen hat. An Österreichs Teamchef schätzt er, dass er in Sachen Identität ein Überzeugungstäter ist. „Wenn du von etwas so überzeugt bist, kannst du es auch vermitteln“, sagt Hürzeler, der Platz neun in der Premier League bestätigen will. Der Grundstein dafür wurde in Wien gelegt. Mit Schnitzel und Kaiserschmarren. Das muss jetzt auch nicht mehr geheim bleiben. Heute brechen die Engländer ihre Zelte wieder ab.
Source:: Kurier.at – Sport



