„Der fliegende Holländer“: Jubel für einen Opernabend mit echter Regie

Kultur

Was für ein Erlebnis, nach zwei von Künstlicher Intelligenz bebilderten „Ring“-Tagen wieder eine Opernaufführung mit echter Regie bei den Bayreuther Festspielen zu sehen. Und mit Sängerinnen und Sängern auf der Bühne, die interagieren, eine Geschichte zu erzählen versuchen und die nicht zu winzigen, comichaften Figuren geschrumpft werden.

„Der fliegende Holländer“ auf dem Grünen Hügel – eine Produktion von ausschließlich humaner Urheberschaft, bei der man seine Zustimmung oder auch seinen Protest gezielt auf jemanden projizieren kann. Man mag sich fragen, warum hier der Holländer Menschen erschießt. Warum es kein Schiff gibt, nicht einmal ein Wrack und auch keinen Sturm. Warum zu Beginn, noch während der Ouvertüre, eine von der Gesellschaft aufgrund einer heimlichen Liebschaft verstoßene Frau Suizid begeht. Und man wird zum Schluss kommen, dass Dmitri Tcherniakov, einer der großen Psychologen unter den Opernregisseuren, inszeniert hat und man seine Sichtweise erlebt und nicht einen zufälligen Algorithmus. Kann man mögen oder auch nicht. Aber es gibt einen geistigen Vater dahinter.

Ihr Rezensent schätzt die Inszenierung durchaus, vielleicht auch nach dem „Ring“-Auftakt milder gestimmt. Tcherniakov macht aus dem Holländer, der nur alle sieben Jahre an Land gehen darf, einen abtrünnigen Bewohner eines kleinen Dorfes, der in seiner Kindheit Schreckliches erlebt hat (die Frau, die sich erhängt hat, ist seine Mutter) und von Albträumen geplagt wieder zurückkommt. Spießige Idylle trifft auf (Sentas) große Ziele, Lieblichkeit auf Brutalität, Sprachlosigkeit auf männliche Gewalt. Eine intensive, höchst emotionale Auseinandersetzung mit Licht und Schatten innerhalb einer kleinen Dorfgemeinschaft.

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Die Sänger sind allesamt fabelhaft, allen voran Bassbariton Nicholas Brownlee als mächtiger, ausdrucksstarker, wortdeutlicher, enorm präsenter Holländer, sowie Elisabeth Teige als Senta. Sie besticht mit klarem, fokussiertem, nie schrill werdendem Sopran und auch mit großer Dramatik. Ihre Phrasierung ist genauso schön, wie ihre Ausbrüche heftig sind. Im vergangenen Jahr hatte sie diese Partie auch im Steinbruch von St. Margarethen gesungen – da sieht man, welcher Coup Intendant Daniel Serafin damals gelungen ist.

Zwei Abende der laufenden „Holländer“-Serie in Bayreuth wird Asmik Grigorian singen (sie war die Premierenbesetzung im Jahr 2021) – sie muss also zwischen der Salzburger „Carmen“ und Oberfranken hin- und herreisen.

Mika Kares ist in der laufenden „Holländer“-Serie der Daland – mit profundem Bass, viel Power, aber etwas knödelig in der Intonation. Benjamin Bruns beeindruckt sängerisch als heldischer, höhensicherer Erik. Nadine Weissmann (Mary), Kieran Carrel (Steuermann) sowie der Chor erhielten ebenfalls zurecht viel Applaus.

Oksana Lyniv am Pult muss sich in den Massenszenen manchmal mit der Koordination abmühen, ihr „Holländer“ ist wuchtig, aber nicht sonderlich differenziert. Und vielleicht hätte sie den erstklassigen Sängern auch einmal kommunizieren sollen, dass sie durchaus weniger forcieren könnten.
 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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