„Boss, aber kein Diktator“: Mike Stewarts Pläne für die Capitals

Sport

„Die Eishockeywelt ist verdammt klein“, sagte Neo-Coach Mike Stewart als er am Montagabend das Eis verließ. Und tatsächlich: beim ersten öffentlichen Training der Vienna Capitals war das gut zu beobachten. 

Sechs Neuzugänge standen in Kagran auf dem Feld, völlig fremd waren einander die wenigsten. Auch Stewart kehrt nach 13 Trainerjahren in Deutschland in eine Liga zurück, in der er einst für den VSV verteidigte.

Überraschend war für ihn hingegen der Empfang als Caps-Trainer. Rund 1.300 Fans kamen bei mehr als 30 Grad in die Halle – und das nicht nur der Abkühlung wegen. Nach der einstündigen Einheit gingen viele von ihnen für Autogramme und Fotos selbst aufs Eis. Stewart kannte Wien als Hauptstadt und Kulturstadt. Nun, sagte er, habe er sie auch als „Eishockeystadt“ erlebt.

Die jüngsten Ergebnisse erklären den Andrang kaum. Drei Saisons in Folge haben die Capitals das Viertelfinale verpasst. Kapitän Linden Vey sieht in der ungebrochenen Unterstützung deshalb auch eine Verpflichtung. Die Mannschaft sei ihren Fans „eine tolle Saison schuldig“.

Vitamin Vey

Vey ist zugleich eine der Figuren, an denen sich zeigt, wie klein diese Eishockeywelt tatsächlich ist. Mit Jakob Lilja spielte er in Astana und Fribourg, Nick Bailen wollte ebenfalls unbedingt mit ihm in einer Mannschaft stehen. Lilja kennt zudem Konstantin Komarek aus Malmö. Bevor die ersten gemeinsamen Pässe gespielt wurden, liefen bereits einige Telefonate. Vey und Komarek erzählten Lilja vom Klub und machten ihm die Entscheidung für Wien leichter.

Der 32-jährige Schwede bringt 37 NHL-Spiele für die Columbus Blue Jackets sowie Erfahrung aus der KHL und den höchsten Ligen Schwedens und der Schweiz mit. Erwartungen ist Lilja daher gewohnt. Er empfindet sie nicht als Last, sondern beinahe als Auszeichnung: Wo einer Mannschaft Siege zugetraut werden, entstehe zwangsläufig Druck. Wo niemand etwas erwarte, sei vermutlich auch keine Spitzenmannschaft am Werk.

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In der ersten Woche fühle sich Eishockey stets ein wenig fremd an, erzählte Lilja. Hände, Füße und Schlittschuhe müssten wieder zueinanderfinden. Nach ein oder zwei Testspielen werde sich das geben.

Die Abstimmung braucht noch Zeit, die Ziele für die Saison stehen bereits fest – zumindest für Nick Bailen. „Wenn das Ziel nicht lautet, zu gewinnen, warum spielt man dann überhaupt?“ 35 bis 40 Siege nennt der 37-Jährige als brauchbare Grundlage für eine günstige Ausgangslage in den Play-offs.

Bailen kommt als Meister von den Graz 99ers nach Wien. Dass sein neuer Klub zuletzt dreimal früh ausschied, habe ihn gerade gereizt. Er gehe gerne dorthin, wo er dabei helfen könne, eine Mannschaft wieder nach oben zu bringen. Noch im Jänner hatte der offensivstarke Verteidiger beim 4:0 der Grazer gegen Wien den letzten Treffer erzielt, künftig sollen Tore für die Caps folgen.

„Bin der Boss, aber kein Diktator“

Stewart muss aus den bekannten Namen und alten Verbindungen nun eine Mannschaft formen. Seine Vorstellungen klingen bewusst bodenständig. Harte und ehrliche Arbeit verlangt er, dazu körperlichen Einsatz, Leidenschaft und Zusammenhalt. Der Spaß dürfe dabei nicht verloren gehen. Eishockey habe sich in den vergangenen Jahren beschleunigt, sagt Stewart, seine Grundsätze seien dieselben geblieben.

Auch in der Kabine setzt er auf Zusammenarbeit. Die Spieler sollen Verantwortung übernehmen, der Trainer will ein offenes Ohr behalten: „Ich …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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