Schlangen auf Flughäfen: Ärger über EU-Einreisechecks wächst

Politik

70 Sekunden, länger werde der Check einer Person bei der Einreise in die EU nicht dauern: So das Versprechen, das die EU-Kommission im Juni zum Start des neuen EES-Systems abgegeben hatte. Dieses soll endlich die gemeinsame Kontrolle aller Ein- und Ausreisen in die EU bringen und damit mehr Sicherheit und Schutz vor illegaler Migration, Asylbetrug, oder Terrorismus. 

Kollaps-Gefahr auf Europas größten Flughäfen

Den Reiseverkehr dagegen werde das EES-System nicht bremsen, so die Prognose in Brüssel. Am Höhepunkt der Urlaubssaison sieht die Realität allerdings ganz anders aus. Seit Wochen häufen sich die Beschwerden von Flughäfen und Fluglinien und die Berichte über stundenlange Verzögerungen und Flugverspätungen. Vor allem an den großen europäischen Drehkreuzen des Flugverkehrs wie Amsterdam, München, Frankfurt, oder Rom herrscht chronische Kollaps-Gefahr.

Die Wartezeiten für Einreisende in die EU haben sich seit der Einführung des Systems dort annähernd verdoppelt, berichtet die britische Financial Times auf Grundlage aktueller Daten. So werde es zunehmend schwerer, den regulären Flugbetrieb aufrechtzuerhalten, vor allem weil viele Passagiere ihre Anschlussflüge versäumen.

Briten sorgen sich um ihren Urlaub 

Vor allem Urlauber aus Großbritannien und den USA, die im Sommer die EU-Urlaubsländer wie Griechenland, oder Italien stürmen, sind zunehmend besorgt über mögliche Pannen durch die Einreisekontrollen und damit einen verpatzten Urlaub. Viele Fluglinien fürchten daher um ihr Hauptgeschäft, so etwa die irische Billig-Fluglinie Ryanair mit ihrem bekannt offenherzigen Chef Michael O’Leary. „Nur die Europäer können so einen Sch… erfinden“, meinte der schon vergangene Woche gegenüber Investoren. Ein Mitbewerber wiederum wandte sich direkt an die Flughäfen. Diese sollten die von der EU-Kommission angebotenen Möglichkeiten zur Lockerung der Kontrollen nützen „und bitte die nicht die Menschen drei Stunden lang herumstehen lassen.“

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Flughäfen verzichten auf Kontrollen

 Einige Flughäfen, etwa auf griechischen Inseln, haben ohnehin schon zu Beginn der Urlaubssaison begonnen, auf die verschärften Kontrollen zu verzichten. So wird das eigentlich verpflichtende Abgeben der Fingerabdrücke ausgelassen. Die aber ist eigentlich zentraler Baustein des EES-Systems. Länder wie Spanien, Griechenland, aber auch Italien haben sich in Brüssel ohnehin die Möglichkeit herausverhandelt, in Notfällen die gesamten EES-Kontrollen auszusetzen.

Ausnahmen, nicht nur in der Urlaubssaison

Diese eigentlich nur für die Urlaubssaison vorgesehenen Ausnahmen könnten jetzt bis weit in den Herbst hinein verlängert werden, um so möglichem politischen Ärger vorzubeugen. Schließlich ist das EES ein Kernstück des Asyl- und Migrationspaktes der EU. An diesem Prestigeprojekt wird seit der Flüchtlingskrise 2015 gearbeitet, politisches Tauziehen aber hat eine Einigung in Kernfragen immer und immer wieder verzögert. Auch das EES sollte eigentlich schon 2022 an den Start gehen. Hier waren es technische Schwierigkeiten, die dafür sorgten, dass sich auch dieses politisch eigentlich unumstrittene Projekt in die Länge zog. Der Kollaps an den Flughäfen jedenfalls hatte sich schon vor Jahren abgezeichnet, einfach weil die Datenmengen zu groß waren. Man habe, ärgert sich ein Vertreter der Flughafen-Betreiber, „die praktischen Herausforderungen von Beginn an ignoriert.“

 

 

 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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