Italien: Espresso-Preise steigen um bis zu 25 Prozent

Wirtschaft

Der Espresso wird im Hochkonsumland Italien immer mehr zum Luxus. Dass man eine Tasse um einen Euro bekommt, ist weithin Geschichte. Eine Tasse kostet rund 25 Cent bzw. ebenso rund 25 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Immerhin muten die Preise für einen „Caffè“, wie der Espresso in Italien heißt, im Vergleich mit Österreich und auch international noch verhältnismäßig günstig an. In der Stadt mit dem höchsten Durchschnittspreis, Bozen, waren es zuletzt 1,51 Euro.

Bei den Preisen gibt es erhebliche regionale Unterschiede, geht aus einer Untersuchung des Konsumforschungszentrums CRC in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherschutzverband Assoutenti hervor. Hinter der Hauptstadt Südtirols folgte die Adria-Stadt Pescara mit 1,49 Euro. In insgesamt elf Provinzen kostete der Kaffee inzwischen mindestens 1,40 Euro. Dazu zählten unter anderem solche mit Nähe zu Österreich wie Triest, Padua, Belluno, Trient, Treviso und Udine, aber auch Ferrara oder Ravenna.

Am günstigsten war der Espresso durchschnittlich dagegen im sizilianischen Messina. Dort kostet eine Tasse im Schnitt 1,06 Euro.

Starke Preisanstiege in einigen Städten

Besonders stark sind die Preise in einigen Städten gestiegen. In Pescara verteuerte sich der Espresso seit 2021 um 49 Prozent. Dahinter folgen Parma mit 41 Prozent, Bari mit 39,5 Prozent und Neapel mit 37,8 Prozent. Nach Einschätzung von Furio Truzzi, Vorsitzender des wissenschaftlichen Komitees des CRC, lassen sich die höheren Preise nicht allein mit den Kosten für den Rohstoff Kaffee erklären. „Die Preissteigerungen werden offenbar nicht von den derzeitigen Rekordpreisen für den Rohstoff angetrieben“, sagte Truzzi.

Die Preise für Robusta-Kaffee liegen seinen Angaben zufolge derzeit bei rund 3.900 Dollar je Tonne, nachdem sie 2025 zeitweise etwa 5.600 Dollar erreicht hatten. Auch Arabica sei inzwischen günstiger als im vergangenen Jahr. Statt mehr als vier Dollar koste das Pfund derzeit etwa 3,20 Dollar. Als Gründe für die höheren Preise in den Cafés nannte Truzzi vor allem gestiegene Energie- und Betriebskosten. Diese würden von den Gastronomen teilweise an die Verbraucher weitergegeben.

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Konsumverhalten ändert sich – Italienisches „Caffè“-Ritual in Gefahr?

Gleichzeitig verändert sich laut Assoutenti das Konsumverhalten der Italiener. Besonders stark wächst der Verkauf von Kaffeebohnen. 2026 legten die Verkäufe demnach um 33 Prozent zu. Immer mehr Verbraucher greifen zu Bohnen und verzichten auf Kaffeepads und Kapseln.

Für Gabriele Melluso, den Präsidenten von Assoutenti, könnte die Kombination aus steigenden Preisen und verändertem Konsumverhalten langfristig sogar das italienische Kaffeeritual verändern. Der Espresso an der Bar sei zwar weiterhin für Millionen Menschen ein fester Bestandteil des Alltags. Doch der zunehmende Konsum von Kaffee zu Hause könnte seine traditionelle Vormachtstellung allmählich gefährden.

Zusätzlichen Druck auf die Preise könnte zudem eine schwere logistische Unterbrechung der Kaffee-Exporte aus Kolumbien ausüben. Ursache ist ein Erdbeben der Stärke 7,4, das das südamerikanische Land getroffen hat. Auch das Wetterphänomen El Niño gefährdet unter anderem Kaffeeernten.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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