
Sven Hartberger, 20 Jahre lang (bis 2019) Leiter des Klangforum Wien, hat sich echauffieren müssen über das „Ende der Ära Markus Hinterhäuser“ als Intendant der Salzburger Festspiele. Und so veröffentlichte er unlängst im Verlag Tres Mundos eine kommentierte Zusammenfassung der Ereignisse.
Mit dem Titel „Das Salzburger Große Affentheater“ spielt er auf eine Produktion an, die im Vergleich zum „Jedermann“ sang- und klanglos unterging. Inhaltlich hat die Wutschrift zudem nichts gemein mit Hugo von Hofmannsthals „Das Salzburger Große Welttheater“ aus 1922. Als Journalist könnte man das Büchlein eigentlich getrost zur Seite legen. Denn Hartberger ätzt über die „ahnungslosen und nicht gerade recherchewütigen Vertreter“ einiger österreichischer Medien, insbesondere zieht er über eine Kollegin her, die – wie alle anderen – scheiterte: an der Salzburger Schweigemauer.
Unüberbrückbare Differenzen
Tatsächlich war es unmöglich, die genauen Hintergründe für den Konflikt zwischen Hinterhäuser und dem Festspielkuratorium in Erfahrung zu bringen. Erwiesen ist nur, dass sich die Sache aufschaukelte: Am 3. Februar zückte Landeshauptfrau Karoline Edtstadler als Vorsitzende die „Gelbe Karte“, am 26. Februar kam das Gremium zur Ansicht, dass Hinterhäuser die Bedingung zur Fortsetzung seines Vertrages über den 30. September hinaus, die „Wohlverhaltensklausel“, nicht erfüllt habe. Der Intendant, der bereits seit 2024 eine Verlängerung (bis 2031) in der Tasche hatte, nahm das gewährte Gnadenjahr nicht an: Am 26. März wurde er bis Ende September beurlaubt, man gehe aufgrund unüberbrückbarer Differenzen ab sofort getrennte Wege. Über die Details wurde Stillschweigen vereinbart.
Klar ist, dass diese aus dem Budget der Festspiele zu finanzierende Trennung Geld kostet: Hartberger unterstellt vornehmlich Edtstadler (ÖVP), aber auch Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ), „zumindest fahrlässig“ gehandelt zu haben. Manche seiner Sätze sind derart untergriffig, dass sich Ihr Tratschpartner scheut, sie zu zitieren. Zusammengefasst geht es ihm um das Aufzeigen von „Intrige, Denunziation und Ehrabschneiderei als gezielt eingesetzte Mittel der Politik; Machtmissbrauch zur Befriedigung gekränkter Eitelkeiten; Täuschung und Irreführung der Öffentlichkeit“ sowie „Vertuschung der Folgen des eigenen politischen Handelns“.
Hartberger findet viele Worte („desaströs“, „inferior“), um sich variantenreich zu wiederholen. Stellenweise denkt man an einen Epigonen von Thomas Bernhard. Besonders die „kostspielige Auflösung des Vertrags“ lässt ihn kochen. Die gegenwärtige Beurlaubung und die „Freistellung für den Vertragszeitraum 1. Oktober 2026 bis 30. September 2031“ würden inklusive Nebengeräusche einen „im Millionenbereich liegenden Vermögensschaden“ ergeben. Daher regt er eine „Sonderprüfung“ des Rechnungshofs an.
Zudem versuchte er mit Fragen, Licht ins Dunkel zu bringen. Erfolglos. Er konstatiert eine „ans Paranoide grenzende Geheimniskrämerei“, selbst der Betriebsrat ordne sich „in das von oben verordnete Schweigekartell“ ein. Immer wieder liest man Frustration heraus: „Eine an die russische Botschaft in Wien gerichtete Bitte um Mitteilung der detaillierten Angriffspläne auf die Ukraine“ dürfte mehr Aussicht auf Erfolg haben als ein Ersuchen um Auskunft über die Höhe des Schadens oder den wahren Grund für das „Ende der glückhaften Ära Hinterhäuser“.
Jahrelange Kränkungen
Doch Hartberger gibt selbst die Antworten. Denn Karin Bergmann, die Hinterhäuser ohne Umschweife zur Leiterin des Schauspiels machen wollte, war eben nicht der „Knackpunkt“ der Auseinandersetzung mit dem Kuratorium. (Daher wurde die Theatermanagerin zur Interimsintendantin bis zum Herbst 2027 bestellt.) Und auf Seite 53 hält Hartberger fest, dass Festspielpräsidentin Krista Hammer …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



