Anschlag in Halle: Der globale Terror abgehängter junger weißer Männer

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Beim Terroranschlag in Halle sterben am Mittwoch zwei Menschen, die Tat wird live im Internet gestreamt, der Täter macht sie zum Online-Event.
Stephan B. folgt damit dem Vorbild einer neuen Gattung von rechtsextremen Terroristen: Gesellschaftlich isolierten jungen weißen Männern, die sich auf Verschwörungsseiten im Netz radikalisieren.
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Am Mittwoch tötet Stephan B. zwei Menschen. Der Attentäter von Halle ermordet eine Passantin, sie ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Er schießt ihr viermal in den Rücken. Dann tötet er einen Mann in einem Dönerladen, der um sein Leben fleht. B. drückt ab. Auf der Videoplattform Twitch können Nutzer die Morde in Halle live verfolgen; B. streamt sie mit einer Helmkamera, rund 30 Minuten lang.

Ebenfalls online stellt B. ein „Manifest“, voll Hass und Verschwörung. Ein Satz fasst B.s Plan zusammen: „So viele Nicht-Weiße wie möglich zu töten, Juden bevorzugt.“ Weil die Tür der Synagoge in der Großen Märkerstraße Schüssen und Tritten nicht nachgibt, gelingt es ihm nicht. Nach stundenlanger Fahndung wird B. gefasst.

Der Terror in Halle ist alt und er ist neu. Alt, weil es die Motive, die Stephan B. zu seiner Tat trieben, den gewaltsamen Hass auf Frauen, Ausländer und Juden in Deutschland schon immer gab. Neu jedoch, weil die Mixtur dieser Motive, die Art von B.s Radikalisierung und die Ausführung seiner Tat — live gestreamt, für ein weltweites Publikum — ein modernes Phänomen ist. Eines, das bisher kaum erforscht ist.

Rechtsextremer Terror aus dem Netz

B. ist nicht der erste Terrorist seiner Art. Er ist ein Nachahmer.

Seine Vorbilder sind die Attentäter von Christchurch, Pittsburgh und El Paso. Brenton T., der Massenmörder aus Neuseeland, streamte seinen Terroranschlag auf eine Moschee im März live; die Angreifer in Pittsburgh und El Paso veröffentlichten wie T. antisemitische und rassistische Bekennerschreiben in Internetforen wie 8Chan. Hier fanden sie Fans, die ihre Taten live verfolgten und die Mörder bei ihrem Terror anfeuerten.

Aus ihren Bekennerschreiben geht hervor, dass Stephan B. und den Terroristen in den USA und Neuseeland ein Mix aus männlichen Minderwertigkeitskomplexen, Frauenhass, Rechtsextremismus, Antisemitismus und brutaler Online-Randkultur gemein ist. Ihre Radikalisierung fand nicht in rechtsextremen Vereinigungen statt, sondern von zu Hause aus, im Netz.

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„Es ist schwierig, für diese Art von Täter, für dieses Phänomen des Terrorismus einen Begriff zu finden“, sagt die Rechtsextremismus-Expertin Natascha Strobl gegenüber Business Insider. „Der Rechtsterrorismus, wie wir ihn bisher kannten, funktionierte anders. Selbst der NSU, der schon mit popkulturellen Referenzen arbeitete, war vor allem aus der Neonazi-Szene entstanden und von dieser angetrieben.“

Seit dem Anschlag in Christchurch sei die Welt jedoch mit einem schwer zu greifenden, sich aus dem Internet speisenden Rechtsterrorismus konfrontiert.

Die Täter sehen sich als Opfer

„Die Täter sind junge, wütende, weiße Männer, die das Gefühl haben, dass sie nicht mehr diejenigen sind, die in der Gesellschaft und im eigenen Leben das Sagen haben“, sagt Strobl.

Für das eigene Gefühl der eigenen Minderwertigkeit werde die Schuld dann bei anderen gesucht, …read more

Source:: Business Insider.de

      

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