Amos Vogel zum 100er: Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Filmkultur

Kultur

Der Wiener Emigrant Amos Vogel gründete in New York das legendäre „Cinema 16“ und wäre heuer 100 Jahre alt geworden

Als Amos Vogel am 24. April 2012 in New York starb, war er 91 Jahre alt. Anlässlich seines Todes schrieb die New York Times: „Er übte einen derartig großen Einfluss auf die Filmgeschichte aus, wie kaum ein anderer Nicht-Filmemacher.“

Amos Vogel war also kein Filmemacher, sondern Filmvermittler, Filmkurator, Filmlehrer, Filmorganisator, kurz: ein „Möglichmacher“, wie er im Buche steht. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der internationalen Filmkultur.

In seinem legendären Filmclub „Cinema 16“, den er 1947 mit seiner Frau Marcia Vogel gründete und bis 1963 betrieb, zeigte er der amerikanischen Öffentlichkeit Filme, die sie zuvor noch nie gesehen hatte – von Werner Herzog über Roman Polanski bis hin zu Agnès Varda und Ozu Yasujirō. Zu den Besuchern und Besucherinnen des „Cinema 16“ zählten Susan Sontag und Jonas Mekas ebenso wie der aus Deutschland geflüchtete Filmtheoretiker Siegfried Kracauer.

The Estate of Amos Vogel

  „Cinema 16“  (1947–1963)  hatte bis zu 7.000 Mitglieder

Vogels Filmprogramm steckte immer voller Überraschungen und bestand aus einer bunten Mischung von Animationsfilmen, Dokus, Avantgarde- und Wissenschaftsfilmen. Meist war das Publikum begeistert, manchmal aber verließ es auch wutschnaubend den Raum.

Selbst Alfred Hitchcock kündigte einmal sein Kommen an und versprach, zwei Rollen seines neuesten Films zu zeigen. Als er schließlich mit Chauffeur vorfuhr, hatte er nicht nur die versprochenen Rollen, sondern gleich seinen gesamten neuen Film dabei. Vor einem brechend vollen „Cinema 16“ zeigte er seinen Thrillerklassiker „Der Mann, der zuviel wusste“ (1956), bevor er offiziell veröffentlicht wurde. Und beantwortete danach alle Fragen aus dem Publikum.

  „Fühlen uns nicht allein gelassen“

The Estate of Amos Vogel

Überraschungsfilm: Alfred Hitchcock (li.) zeigt „Der Mann, der zuviel wusste“

Flucht aus Wien

Doch das Leben von Amos Vogel begann in Wien. Am 18. April 1921 wurde Amos Vogelbaum als Sohn jüdischer, progressiver Eltern geboren, die politisch im „Roten Wien“ aktiv waren. Schon früh entdeckte er seine Liebe für Bücher und Filme. Bereits im Alter von 12 wurde er Mitglied der Urania Filmgesellschaft und ließ sich von Filmen begeistern. Mit 17 Jahren musste er vor den Nazis aus Wien flüchten und landete nach abenteuerlichen Umwegen über Kuba in New York. Eigentlich wollte Vogel von dort weiter nach Israel auswandern, änderte aber seine Meinung und blieb in den USA. Inspiriert von europäischen Filmclubs gründete er schließlich das „Cinema 16“.

Kommende Woche wäre Amos Vogel 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums gibt es mehrere Initiativen, die sich mit seinem Lebenswerk auseinandersetzen.

The Estate of Amos Vogel

„Filme zeigen, die Sie anderswo nicht  sehen können“, lautete das Motto von Amos Vogel

Das Dokumentarfilmfestival Punto da Vista im nordspanischen Pamplona widmete Amos Vogel bereits im März eine Retrospektive. Dazu beauftragte das Festival Alexander Horwath, ehemaliger Direktor des Österreichischen Filmmuseums, und seine Partnerin Regina Schlagnitweit, bis 2018 Programmabteilungsleiterin ebenfalls im Filmmuseum, einen Filmschwerpunkt zu Ehren von Amos Vogel zu kuratieren. Dieses Programm lässt sich für einen Festivalpass von 14 Euro streamen (https://online.puntodevistafestival.com/bundle/full-pass-int).

Paul Cronin

Hätte heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert: Amos Vogel

„Wir versuchen, den kuratorischen Zugang von Amos Vogel zu übernehmen und spannende Filmmischungen anzubieten“, erklären …read more

  Wie inszeniert man Shakespeare? Johan Simons kennt die Antwort

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 2 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.