Südsee, Ostsee, Salzkammergut: Lentos in Linz zeigt Max Pechstein

Kultur

„Was Pechstein malt, wird verkauft; seine Bilder gehen ab ,wie heiße Semmeln‘. Und zu sehr anständigen Preisen“, schrieb der Kritiker Franz Servaes 1921. „Wer sie kauft, ist Kunstförderer und aufgeklärt – und will sich nicht lumpen lassen.“

Max Pechstein, 1881 geboren, war wohl das, was man heute einen „Starkünstler“ nennt. In der Künstlergruppe „Die Brücke“ galt er vielen als Anführer, manche Zeitgenossen sahen in seinen kräftigen, farbstarken Bildern überhaupt die Stilrichtung des Expressionismus in seiner reinsten Form umgesetzt.

In den Räumen des Linzer Lentos Museums wird einem der Mann aber nicht zwingend sympathischer. Denn die Retrospektive „Abenteuer Expressionismus“ entfernt sich auf produktive Weise von dem Künstlerkult, den Ausstellungen dieser Art oft pflegen. Sie zeigt, dass der Maler ein enormer Karrierist war und mit exotisierenden Bildern einen Zeitgeschmack bediente, der heute zu Recht problematisch gesehen wird.

Der Blick fällt dabei auf einen anderen Opportunisten: den Kunsthändler Wolfgang Gurlitt, dessen Sammlung den Grundstock des Linzer Museums bildet. Mit seiner Berliner Galerie hatte Gurlitt Pechstein ab 1912 exklusiv vertreten. 1914 finanzierte er ihm eine Reise auf die Südseeinsel Palau, damals eine deutsche Kolonie.

Die Reise war kurz – nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs besetzten die Japaner Palau, Pechstein kam zurück und leistete Kriegsdienst. Doch er brachte – wie der Franzose Paul Gauguin vor ihm – Bilder mit: Idealvorstellungen eines paradiesischen Urzustandes voller Naturnähe, dargebracht in einfachen, an indigener Kunst geschulten Formen.

Ein eigener Vermittlungssaal schafft im Lentos auf vorbildliche Weise Raum, um die Klischees, die lang im Fahrwasser der Moderne mitsegelten, zu enttarnen: Materialien zur deutschen Kolonialgeschichte finden sich ebenso wie Denkanstöße („Wie können wir uns positiv auf Natur beziehen, ohne das ,Reine‘ oder ,Ursprüngliche‘ zu suchen oder zu erfinden?“).

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Neuerfindung

Was Pechstein anging, so suchte und (er)fand er nach seiner Rückkehr munter weiter: Das Fischerdorf Nida an der Ostsee diente ihm nun als Vorlage für seine Idyllen.

Mit dem Galeristen Gurlitt zerkrachte sich der Maler Anfang der 1920er-Jahre über Geldfragen. Beide blieben zwiespältige Figuren: Während Pechsteins Werke aus der expressionistischen Frühzeit von den Nazis als „entartet“ gebrandmarkt und aus Museen entfernt wurden, blieb der Maler von 1933 bis 1945 Mitglied der „Reichskammer der bildenden Künste“ und stellte weiter aus.

Gurlitt stilisierte sich seinerseits als Schirmherr der Moderne, war aber zugleich ein Profiteur des NS-Kunstraubs. 1940 kaufte er ein Haus in Bad Aussee und sah, was rundum aus jüdischem Besitz beschlagnahmt wurde: Das Klimt-Gemälde „Ria Munk III“, 1956 aus Gurlitts Besitz von der Stadt Linz angekauft und 2009 restituiert, ist der prominenteste Fall aus diesem Kontext.

Gurlitts Berliner Galerie wurde indes ausgebombt – mitsamt einer Vielzahl von Pechstein-Gemälden. Ein Briefwechsel, der in der Schau ausgestellt ist, brachte Galerist und Maler in den letzten Kriegsjahren wieder zusammen. Pechstein sollte nach dem Krieg seine bunten Südsee-Motive auf Basis von Fotos erneut nachmalen. Das Paradies war da aber schon unwiederbringlich verloren.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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