Ukraine-Krieg: Droht in Belarus noch eine Front?

Politik

Hört man Aleksandr Lukaschenko zu, könnte man meinen, er hätte mit all dem nichts zu tun. „Wir wollen nicht in einen Krieg hineingezogen werden“, sagte der belarussische Staatschef jetzt abwiegelnd in einem Interview; er hoffe endlich auf Frieden zwischen Russland und der Ukraine.

Sieht man sich an, wie sehr Belarus Russland unterstützt, stimmt das nicht mal ansatzweise. Europas längstdienender Diktator, der das Neun-Millionen-Land seit 1994 mit Gewalt führt, hängt seit Jahren am Tropf Putins. Seit der Kreml ihm 2020 half, sich mittels massiver Wahlfälschungen im Amt zu halten, ist er sein Vasall: Lukaschenko ließ Putins Soldaten von Belarus aus die Ukraine überfallen, erst kürzlich stationiere Russland sogar taktische Nuklearwaffen in dem Land – offiziell gibt sich Belarus aber nach wie vor als unbeteiligter Beobachter.

Ultimatum bis Samstag

In Kiew registrierte man das stets mit Missfallen, bis vor Kurzem versuchte die Regierung aber inoffiziell Kontakt mit Minsk zu halten, um ja keine zweite Front zu eröffnen. Doch seit die Armee Erfolge mit Langstreckendrohnen innerhalb Russlands erzielt, hat man auch gegenüber Lukaschenko zu neuem Selbstbewusstsein gefunden: Vor ein paar Tagen forderte Präsident Wolodimir Selenskij ihn auf, sogenannte Signalverstärker an der Grenze zur Ukraine abzumontieren, die Russland für die Navigation seiner Drohnen nutze. Bis Samstag habe Belarus dafür Zeit – „wenn nicht, werden wir es tun.“

Im Westen geht seither die Angst vor einer zweiten Front um. Auch die belarussische Opposition, die seit 2020 vom Exil aus agiert, warnt offiziell vor einem Kriegseintritt des Landes: In einem Schreiben an den ukrainischen Präsidenten warnt sie, Lukaschenko habe die Verfassung dahin gehend geändert, dass das Land nun nicht mehr neutral und atomwaffenfrei sei. Dazu seien zuletzt doppelt so viele Vertragssoldaten rekrutiert worden wie in den Jahren zuvor, die Militärausgaben habe Minsk sogar verfünffacht. „Das Lukaschenko-Regime ist potenziell für einen Eintritt in den Krieg bereit“, heißt es.

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Druck aus Moskau

Moskau kann das Szenario nur recht sein. Wie das Wall Street Journal berichtet, drängt Putin seinen Amtskollegen in Minsk seit Jahresbeginn dazu, sich an seinem Krieg zu beteiligen – entweder mit konventionellen Angriffen mittels Drohnen oder zumindest durch Sabotageakte oder gezielte Tötungen, auch in NATO-Staaten. Das käme Russland mehr als gelegen: Ukrainische Soldaten müssten dann in den Norden verlegt werden – für Putins Truppen im Donbass ein großer Vorteil.

Der Westen versucht mit viel Mühe, Lukaschenko davon abzubringen. Frankreichs Präsident Macron telefonierte kürzlich eineinhalb Stunden mit dem belarussischen Machthaber, die USA schickten seit vergangenem Jahr mehrfach Vertreter nach Minsk, stellten sogar ein Treffen mit Donald Trump in Aussicht. Dazu hob Washington seine Sanktionen auf Pottasche auf, ein Mineral, das zur Düngemittelproduktion verwendet wird. Eine große wirtschaftliche Erleichterung für das angeschlagene Land: Belarus ist der global zweitgrößte Exporteur.

Lukaschenko steht damit von mehreren Seiten unter Druck. Wie das WSJ schreibt, droht Moskau Minsk die dringend benötigten Geldquellen abzudrehen. Zugleich kann Lukaschenko aber nur bedingt leisten, was Putin sich wünscht: Das belarussische Militär zählt knapp 50.000 Soldaten, das Gerät ist überaltert, Drohnen hat die Armee überhaupt keine.

Angstmache

Dazu kommt, dass auch die Ukraine eigentlich kein Interesse an einer zweiten Front haben kann – eben weil ja …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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