Klimt-Auktion in London: Frau Loew wohnt jetzt woanders

Kultur

Ein bedeutendes Stück aus dem Kosmos „Wien um 1900“ stand am Mittwochabend im Auktionshaus Sotheby’s in London im Fokus des internationalen Kunstmarkts – auf den Tag genau elf Jahre, nachdem es ebendort schon einmal zur Auktion angeboten worden war.

Gustav Klimts „Bildnis Gertrud Loew-Felsövanyi“ (1902) erzielte dabei einen Preis von 36,16 Millionen britischen Pfund (inklusive Prämien, umgerechnet 41,9 Millionen Euro). 

2015 hatte das Gemälde nach einer bewegten Geschichte 24,5 Millionen Pfund erzielt, was – an die Inflation angepasst – heute rund 35 Millionen Pfund oder 40 Millionen Euro entspricht. Mit 20 bis 30 Millionen Pfund war das Werk von Sotheby’s deutlich konservativer eingeschätzt worden als das „Porträt Elisabeth Lederer“, das im November 2025 beim selben Auktionshaus  in New York den Rekordpreis von 236 Millionen US-$ eingebracht hatte.

Dame der Gesellschaft

Ein Grund für die Schätzung mag gewesen sein, dass das Bildnis aus einer früheren Werkphase des Malers stammt: Als der Arzt Anton Loew, Eigentümer eines Privatsanatoriums in der Mariannengasse im 9. Wiener Bezirk, seine Tochter von Klimt porträtieren ließ, hatte dieser noch nicht den Markenzeichen-Stil, der seine berühmtesten Bilder wie das Porträt Adele Bloch-Bauer I, (1907) oder jenes der Elisabeth Lederer (1914/’16) auszeichnen sollte.

Nichtsdestrotz sei das Werk ein „herausragendes Frauenbild von Klimt“, sagt Tobias Natter, Herausgeber eines Klimt-Werkverzeichnisses und Kurator der Ausstellung „Gustav Klimt und die Medizin“, die noch bis 28. 6. im Wiener Josephinum läuft. 

Natter verweist im KURIER-Gespräch darauf, dass Anton Loew zu dem inneren Kreis der Wiener Medizin-Elite zählte, mit der Klimt einen intensiven Austausch pflegte. Er besaß auch das berühmte Gemälde  „Judith I“ (1901, heute im Belvedere) – als „femme fatale“ gewissermaßen das Gegenbild zur ätherischen Schönheit der Gertrud Loew, die 19 Jahre alt war, als Klimt sie malte.

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Das Werk hatte in Österreich auch kulturpolitische Sprengkraft. Denn Gertrud Loew-Felsövanyi, die 1924 die Leitung des Sanatoriums übernommen hatte, musste 1939 vor den Nazis fliehen und ihr Hab und Gut zurücklassen. Das Gemälde kam 1941 oder 1942 in den Besitz von Gustav Ucicky, eines unehelichen Sohns von Klimt, der u. a. als Regisseur des NS-Propagandafilms „Heimkehr“ bekannt wurde.

Während Gertrud Loew 1964 in Kalifornien starb, ging das Bild nach Ucickys Tod 1961 in den Besitz von dessen Witwe Ursula über – und blieb verborgen, bis diese es 2013 in die „Klimt Foundation“ einbrachte. Die Einrichtung schloss daraufhin einen Vergleich mit den Erben, wodurch das Bild zur Auktion gelangte.

Der (Ver-)Käufer

Käufer war vor elf Jahren der britische Milliardär Joe Lewis, Besitzer des Fußballclubs Tottenham Hotspur und der Superyacht „Aviva“. Die Highlights seiner Sammlung, die er am Mittwoch versteigern ließ, umfassten auch das von Klimt beeinflusste Bild der „Danaë“ von Egon Schiele (1909), bei dem nach einem zähen Bietergefecht um 17,9 Millionen Pfund (20,7 Millionen Euro) versteigert wurde.

Weitere Highlights waren hochkarätige Werke von Amedeo Modigliani, dessen Akt „Nu assis au collier“ (1917/’18) um 48,2 Millionen Pfund (55 Millionen Euro) den Besitzer wechselte, sowei von Francis Bacon, Pablo Picasso oder Lucian Freud. Sotheby’s sprach von der wertvollsten Einzelsammlung, die je in Europa auktioniert wurde.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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