Med Uni-Rektor Müller: „Ein Kassenarzt hat drei bis vier Minuten pro Patient“

Politik

KURIER: Die Universitäten sollen in Summe mit einer Milliarde Euro weniger auskommen. Was bedeutet das für die Medizinische Universität Wien und das AKH Wien?

Markus Müller: Wenn man am AKH vorbeifährt, dann sieht man das Logo der Medizinischen Universität Wien und das, was draufsteht, ist auch drinnen. Zählt man das klinisch tätige Personal zusammen, dann sprechen wir von rund 1.700 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Medizinischen Universität Wien im AKH. Die von Ihnen angesprochenen Budgetvorstellungen bis 2030 bedeuten eine etwa 14-prozentige Reduktion des Uni-Budgets. Also können Sie sich ausrechnen, was das bedeutet. Universitäten sind personalintensiv – etwa 90 Prozent unserer Budgets betreffen Personal.

Das heißt, es wird weniger geforscht oder gelehrt werden?

Ein Großteil unserer Forschung passiert mit sogenannten Drittmitteln. Etwa ein Viertel unseres Budgets erarbeiten wir uns selbst mit großen Forschungsprojekten in Größenordnungen von etwa 200 Millionen Euro pro Jahr. Die Forschung ist daher von den Einsparungen weniger betroffen. Das Problem ist, wenn wir nicht die besten Köpfe haben, dann wird es uns nicht weiter gelingen, EU-Fördermittel nach Österreich zu holen. Während wir sparen, verdoppelt die EU bis 2034 übrigens ihre Forschungsausgaben von 75 auf etwa 130 Milliarden Euro. Warum versteht die EU, dass sie große Anstrengungen machen muss, um im Wettbewerb mit den USA und China standzuhalten und Österreich nicht?

In welchen Bereichen ist Österreich gut oder macht gar von sich reden?

Wir haben eine Reihe von speziellen Expertisen. Allein im Bereich der Artificial Intelligence haben wir etwa 300 Forscherinnen  und Forscher und einige von ihnen arbeiten an der Front des Wissens. Die erste Professur für AI wurde an unserer Universität übrigens 1977 mit Robert Trappl besetzt. Professor Trappl ist weit über 80 Jahre alt und kommt übrigens immer noch zu unseren Meetings. Relevante Arbeiten zur Melanom-Diagnostik stammen von unserer Universität. Ein Spin-Off unserer Uni, das sich mit der Frage AI und Diagnostik bei Lungenkrebs beschäftigt, wurde gerade verkauft. Mustererkennung durch AI-Systeme: Das ist derzeit unsere größte Stärke im Bereich der AI. 

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Wird die KI einzelne Sparten wie Radiologie ersetzen – können?

Ich will es einordnen: Es gibt dystopische Zukunftsbilder und optimistischere Zukunftsszenarien. Ich bin eher Optimist, was die AI in der Medizin betrifft. Eine Umfrage besagt, dass Patienten zu 80 Prozent dem Arzt, zu 20 Prozent der reinen KI vertrauen. Verblüffend ist, dass der Vertrauenswert bei einem Arzt, der die KI nutzt bei 60 Prozent liegt. Gleichzeitig gibt es Untersuchungen, die besagen, dass die KI bei telefonischer Hilfestellung als sympathischer wahrgenommen wird als die des Mediziners. Worunter Mediziner wie Patienten derzeit sehr leiden, das ist die Übertechnisierung. Meine positive Vision ist, dass KI die Medizin wieder menschlicher machen wird, weil sie dem Arzt wieder mehr Zeit für den Patienten gibt.

Sie geben uns damit eine Steilvorlage: Dr. Google. Man befragt das Netz und weiß noch bevor man beim Arzt ist, was man womöglich hat. Ist das gut oder schlecht?

Ich halte es für eine Art Demokratisierung der Medizin hin zum mündigen Patienten, zumal die Gesundheitskompetenz, die „Health Literacy“, bei uns nicht besonders ausgeprägt ist. Ich schaue gelegentlich nach, welche Informationen im Internet gegeben werden, und bin eigentlich …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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