Fortsetzung von „The Handmaids Tale“: Die Magd aus dem Fokus

Kultur

Margaret Atwood. Die Fortsetzung vom „Report der Magd“ ist eher ein Thriller als ein neuerlicher Aufschrei.

Und?

Ist die Magd (DIE Magd, eine Ikone im Kampf für Frauenrechte/Menschenrechte) … ist sie aus dem Gottesstaat Gilead entkommen?

So viel Rummel wurde im Vorfeld um Margaret Atwoods „Die Zeuginnen“ gemacht. Die Antwort liegt jetzt beim Buchhändler.

Auf Seite 473: Eine Vermutung wird ausgesprochen.

Auf Seite 546: Eine Gestalt im Hintergrund ist traurig und glücklich zugleich …

In Kanada

Magd Desfred, als Gebärmaschine vermietet, war schwanger, als sie am Ende von Atwoods Klassiker „Der Report der Magd“ (siehe rechts) weggebracht wurde.

Von Fluchthelfern aus dem Ausland oder zur Hinrichtung wegen Hochverrats: Die kanadische Schriftstellerin ließ sich viel Zeit für klärende Worte.

Und? WAS JETZT?

Sagen wir es hier vorsichtig: Es sind 15 Jahre vergangen, und eine der drei Erzählerinnen im Buch ist ein 16-jähriges Mädchen, das in Kanada aufwächst, also in Freiheit, und dort gegen die Zustände in Gilead demonstrieren geht.

Daisys Eltern (ihre mutmaßlichen) werden mittels Autobombe getötet: Der Staat Gilead, der früher einmal die USA waren, hatte Killer ausgeschickt, im Anzug und mit Aktentasche.

Ohne Trump

„Die Zeuginnen“ machen mehr Sinn, wenn man „Report der Magd“ kennt.

Das war 1985 ein Schock: Was in dem dystopischen Roman geschieht, gab es irgendwann irgendwo auf der Welt.

Eine Warnung: Schnell kann es nach einer Krise – etwa nach einem Atomunfall – diktatorisch werden, zack, zack werden Teile der Bevölkerung entrechtet, versklavt.

In Gilead werden Frauen, die abtreiben, aufgehängt. Ärzte ebenso. Und Ehebrecherinnen. Frauen, die es wagen, eine Hose zu tragen, werden „nur“ ausgepeitscht. Hose = „unheilig“.

Trump ist keine Figur in „Die Zeuginnen“.

Aber die Gesinnung eines Präsidenten, der Frauen unter den Rock greift – und der Geist eines Landes, das Frauen im Recht auf ihren Körper beschneidet … das findet Niederschlag auf jeder Seite.

Oberste Tante

„Die Zeuginnen“ machen zwar mehr Sinn, wenn man „Report der Magd“ kennt. Allerdings wird man dann überrascht sein: Das ist nicht die fortgesetzte, auf den neuesten Stand gebrachte Satire.

Das ist ein Thriller und beste Unterhaltung. Ein neuerlicher notwendiger Aufschrei ist das nicht.

Noch zwei Hauptrollen – zwei Erzählerinnen – wurden vergeben: Das Mädchen Agnes wächst, im Gegensatz zu Daisy, in Gilead auf; und Tante Lydia.

„Tanten“ sind die Erzieher der Mägde, und Tante Lydia ist die oberste Erzieherin. Ihre Geschichte ist die bemerkenswerteste von allen. Die einzig bemerkenswerte sogar. Bei ihr kommen die Fäden (bzw. Agnes und Daisy) zusammen: Wie wurde eine engagierte US-Familienrichterin zur Gehilfin des Terrors und dann zur wichtigsten Gegnerin des Regimes?

Der Roman fiel optimistisch aus. Gilead bricht langsam zusammen. Einige anständige Männer sind daran beteiligt, hurra!

Margaret Atwood hat „sehr viel Hoffnung“: Durch Beschreibung einer schrecklichen Zukunft wird es vielleicht nicht dazu kommen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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