„Il viaggio a Reims“ in Salzburg: Mit La Ceci im Rossini-Rausch

Kultur

Wenn der Chor „Non pensiamo che a goder“ („Lasst uns nur ans Vergnügen denken“) singt, erklärt er damit, worum es in Gioachino Rossinis „Il Viaggio a Reims“ geht. Vor allem um Unterhaltung. Eine noble Gesellschaft will zur Königskrönung in Reims fahren, kommt aber nie dort an. Bei Barrie Kosky soll es zur Gala von La Ceci, der Königin des Gesangs, gehen. 

Gemeint ist damit Cecilia Bartoli, die ihm als Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele diese Produktion überantwortet hat. Deren Übernahme in den Sommer wurde zurecht vom Premierenpublikum überwiegend gefeiert. Denn Kosky zeigt eine absolut auf die Musik abgestimmte Klamauk-Farce, ein furioses Pointenfeuerwerk, das aus dem Zünden nicht herauskommt. Die Figuren sind ständig in Bewegung, tummeln sich erst durch drei Drehtüren, dann flitzen sie in einem am Ende enger werdenden Gang zwischen 12 Zimmertüren (Bühne: Rufus Didwiszus) hin und her, also ein ideales Ambiente für eine Feydeau-Komödie.

Ständig umwirbt jemand eine Frau oder es flippt jemand vor Eifersucht aus oder die eine oder der andere tobt seine Wut aus. Alles geschieht genau nach der Partitur. Das alles ist garniert mit opulenten, fantasievollen Kostümen (Victoria Behr) und subtil choreographiertem Slapstick. Über die schwarz-weißen Kringel der Tapeten im Hotel „Zur Goldenen Lilie“ könnte man diskutieren, aber das ist schon der einzige Einwand. Was will man bei dieser Oper mehr? Eine adäquate musikalische Umsetzung. Die ist bei Bartoli Programm. 

Man will aus diesem Koloraturenmeer gar nicht mehr auftauchen. Bartoli verkörpert die Dichterin Corinna mit einer starken Dosis Selbstironie als eine Art Orpheus, der sich von einer goldenen Harfe begleiten lässt. Sie lotet genuin die Ambiguität dieser Partie aus. Am Ende steigt sie im Glitzerkleid aus einer Torte und befeuert den finalen Koloraturenrausch.

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Tara Erraught fasziniert mit stimmakrobatischen Koloraturen als Hotelchefin. Melissa Petit hält mit ihrer Klage um ihre verlorenen Kleider mit. Marina Viotti orgelt gemäßigt mit ihrem dunklen Mezzosopran. Diese Damen stellen die sehr guten Herren in ihren vokalen Schatten. 

Ildebrando D’Arcangelo setzt auf Charme, Dmitry Korchak und Edgardo Rocha auf ihre beherzten Tenorstimmen, Florian Sempey, Peter Kellner ergänzen. Misha Kiria poltert auch als Deutscher durch die Szenerie. Gianluca Capuano bringt mit seinen Musiciens du Prince – Monaco und dem fein intonierenden Chor der Oper Monte-Carlo (Einstudierung: Stefano Visconti) Rossinis Musik sublim zum Perlen wie Champagner. Ihm verschafft Kosky die gebührende Aufmerksamkeit, indem er etwa die Zwischenmusik im zweiten Teil nicht inszeniert, da gerät die Musik zum Schweben.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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