
Noch vor drei Wochen war die Freude in New York groß: „SK Hynix schlägt als führender Anbieter von KI-Technologien ein neues Kapitel auf dem globalen Markt auf“, sagte da Kwak Noh-Jung, Chef des südkoreanischen Chip-Herstellers anlässlich des Börsendebüts an der Technologiebörse Nasdaq. Die Platzierung war um ein Vielfaches überzeichnet und mit einem Volumen von 26,5 Milliarden Dollar war es nach SpaceX der zweitgrößte Börsengang des Jahres in den USA. Die Aktie legte am ersten Handelstag 14 Prozent zu.
Doch inzwischen ist Ernüchterung eingetreten. Die Aktie liegt mit 143 Dollar unter dem Ausgabepreis von 149 Dollar. Dabei handelt es sich in New York um die Zweitnotiz, SK Hynix notiert seit Jahrzehnten an der Börse in Seoul und die Aktie konnte in den vergangenen 12 Monaten um rund 960 (!) Prozent zulegen. Mit dem Gang an die Wallstreet hofft Hynix, seinen Bewertungsrückstand auf den kleineren US-Rivalen Micron zu verringern.
Auch dieser musste kurstechnisch kräftig Federn lassen. Nach dem Hoch Ende Juni von mehr als 1.200 Dollar steht der Kurs bei nur noch 823 Dollar. Und auch Samsung, der dritte relevante Hersteller von DRAM-Chips, büßte seit dem Hoch Mitte Juni rund 30 Prozent des Aktienwertes ein. Relativ neu am DRAM-Markt ist der chinesische Produzent CXMT, der aber bereits knapp 10 Prozent Marktanteil hält. Das Börsendebüt in der Vorwoche lief fulminant, die Aktie gewann am ersten Handelstag in Shanghai 470 Prozent dazu und seitdem weitere 10 Prozent.
Allgemein entwickelten sich die Kurse der Chiphersteller in den vergangenen Wochen sehr volatil. Doch warum ist das so?
Die Gründe:
Gewinnmitnahmen: Die Kurse vieler Chiptitel sind in den ersten Monaten des Jahres weiter stark nach oben geklettert. Das nutzten Anleger zu Gewinnmitnahmen. Und generell wachsen Bäume nie unendlich in den Himmel. Noch immer liegt aber die Techbörse Nasdaq seit Jahresbeginn 12 Prozent im Plus. Bei Micron sind es 160 Prozent, bei Intel 129 Prozent, bei Nvidia hingegen nur 8 Prozent. Bei Letzterer hielt sich dafür die Berg- und Talfahrt heuer in Grenzen. Wer also schon länger diese Aktien besitzt, ist noch immer im grünen Bereich.
China: Der Börsegang von CXMT treibt anderen Herstellern Sorgenfalten ins Gesicht. Denn wie in vielen anderen Bereichen der Weltwirtschaft könnten chinesische Hersteller westliche Konkurrenten überflügeln, was Geschwindigkeit und Preise der Chips anbelangt.
Marktsättigung: Die Bedenken nehmen zu, dass sich die hohen Ausgaben für Künstliche Intelligenz letztlich nicht rechnen und daher nicht so viele Chips benötigt werden wie zunächst angenommen; nicht zuletzt auch, da sich die Technik weiter entwickelt.
Es gibt aber auch Argumente für Chipaktien, die den Rebound am Ende der Vorwoche erklären:
Konjunktur: Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 1,5 Prozent und damit schwächer als erwartet. Dennoch blieben die Konsumausgaben stabil, auch für Elektronikartikel wie Smartphones, was den Bedarf an Chips zumindest konstant halten sollte.
Engpässe: Hersteller rechnen daher mit einer Verschärfung des weltweiten Chipmangels bis 2028. „Der Engpass wird sich 2027 im Vergleich zu diesem Jahr voraussichtlich weiter zuspitzen und 2028 anhalten“, sagte der Chef der Speichersparte von Samsung, Jaejune Kim.
Gute Quartalszahlen: Die Erwartungen der Analysten sind (zu) hoch und erfüllen sich daher oft nicht. Prinzipiell passen aber viele Bilanzen. …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



