Klangwechsel beim langsamsten Konzert der Welt: Ende 2640 geplant

Kultur

Während bei den Salzburger Festspielen noch darüber geredet wird, dass sechs Stunden und elf Minuten schon eine recht lange Dauer für eine Oper sind, wird im ostdeutschen Halberstadt in anderen Kategorien gedacht. Seit fast 25 Jahren läuft in der dortigen Burchardikirche ein Orgelstück, dessen Dauer auf 639 Jahre angelegt ist. 

Am Mittwoch (5. August) stand nach zwei Jahren wieder ein Klangwechsel an – der bisher siebzehnte. Ein a‘ wird hinzugefügt, also die entsprechende Pfeife in die kleine Orgel gesteckt. Sie sorgt dann für einen Acht-Klang – es werde einen schönen Klangteppich geben, sagte Anneli Borgmann, die seit knapp einem Jahr Kuratoriumsvorsitzende der John-Cage-Orgel-Stiftung Halberstadt ist, zur dpa. Zuletzt wurde 2024 die siebte Orgelpfeife aktiviert, sie soll bis 2028 erklingen. Der nächste Klangwechsel steht im Oktober 2027 an, 2028 gibt es sogar zwei, ebenso im Jahr 2030. „Wir sind in bewegten Zeiten“, so Borgmann.

Gestartet wurde das Projekt, das auf einer Spielanweisung des amerikanischen Komponisten John Cage (1912-1992) beruht, im Jahr 2001. Cage – einer der wichtigsten Innovatoren der zeitgenössischen Musik – war an konzeptuellen Ideen interessiert, die das Verständnis des musikalischen Raums erweitern – sein vielleicht bekanntestes Stück „4’33“, das aus viereinhalb Minuten Stille besteht, war dabei – was die Dauer angeht – aber noch relativ nahe am typischen Drei-Minuten-Popsong. 

So langsam wie möglich

Das im Werktitel „ORGAN2/ASLSP“ enthaltene Akronym bedeutet dagegen „As Slow As Possible“, also: so langsam wie möglich. Die automatisch betriebene Orgel wurde extra für das Projekt gebaut. Es wird komplett von Ehrenamtlichen am Laufen gehalten. Sie sind auf Spenden und Stiftungen angewiesen.

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Die zur Stiftung gehörende „cage academy“ veranstaltet in den Tagen um den Klangwechsel einen Meisterkurs für die Interpretation zeitgenössischer Vokalmusik mit Studierenden und Profis. In diesem Jahr sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ungarn, der Schweiz, Polen, Belgien und Deutschland dabei. Es gibt Aufführungen, Konzerte und eine Ausstellung. 

Ziel sei, dass die Stiftung Kapital anhäuft, damit weitere Generationen davon zehren können, so Borgmann zur dpa. Das jüngste Vorhaben sind „Final Tickets“ – eine vererbbare Eintrittskarte zur Abschlussveranstaltung am 4. September 2640. Dann verklingt das Konzert. 2.640 Tickets für je 2.640 Euro sollen verkauft werden. Wie viele schon weg sind, verrät die Stiftungsvorsitzende nicht. Sie sagt aber soviel: „Es ist erfreulich angelaufen, es ist eine Erfolgsgeschichte für uns.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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