
Schlager und Berge, das gehört zusammen wie Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll. Und so weiß wohl jeder, der Schlagermusik gern hört, aber auch alle, die diese Musik produzieren: Wenn man am Gipfel steht, geht es in alle Richtungen abwärts.
Da liegt eine Frage nah: Nehmen gerade auch der Schlager – eine der popkulturell prägendsten Formen der letzten 20 Jahre – und seine größten Stars wie Helene Fischer und Andreas Gabalier gerade diese Richtung, nämlich vom Gipfel abwärts?
Ein Indiz dafür, dass es gerade nicht nach oben geht, ist wenn man die großen Leistungen der Vergangenheit feiert. 2026 sind gleich zwei jener Stars, die das Genre in die Breite geführt haben, im Rückblicksmodus: Helene Fischer schaut kommenden Samstag auf jener Tournee in Wien vorbei, mit der sie ihre ersten 20 Karrierejahre und den dementsprechenden Geburtstag ihres Debütalbums „Von hier bis unendlich“ feiert. Und Andreas Gabalier veröffentlicht am 28. August das Album „Handwerk“, mit dem er an „10 Jahre Unplugged“ – gemeint ist das MTV-Unplugged-Konzert – erinnert.
Es ist das erste Album von Gabalier seit „Ein neuer Anfang“ 2022. Mit dem landete er, wie mit allen Alben seit 2013, an der Spitze der Austro-Charts. Zuletzt nahm sich der heimische Erfolgsmusiker eine Auszeit. Auf dem kommenden Album gibt es neue und bereits bekannte Gabalier-Songs. Und er geht damit auf eine Tournee, die ihn nicht in die großen Stadien führt, sondern an Orte wie die Festspielhäuser in Salzburg oder Bregenz, um neue Nähe zum Publikum zu schaffen (Wien-Konzerte sind noch keine angekündigt). Es gibt bereits zusätzliche Shows – und derzeit noch Tickets für einige davon.
Von einer derartigen Redimensionierung ist bei Fischer keine Rede. Sie kehrt ebenfalls aus einer Pause zurück und bespielt in zehn Städten die großen Stadien (dass sie in den Niederlanden ein Konzert in eine kleinere Location verlegt hat, ist in Summe noch kein Beinbruch). Zur Tour hat auch sie ein „Best of“-Album veröffentlicht – und auch bei ihr sollen die Fans, dank einer speziellen 360-Grad-Bühne im Zentrum des Stadions, so nah an Fischer sein wie nie zuvor.
Bemerkenswert ist, dass es für alle verbleibenden Auftritte dieser Tournee – Wien, Zürich und München – noch Tickets gibt. In Wien etwa von 63 Euro (Stehplatz) bis 213 Euro (guter Sitzplatz). Ein Grund dafür ist sicher die hohe Gesamtzahl an Tickets, die auf dieser Tour angeboten werden: 750.000 Fans können insgesamt dabei sein. Was jedoch nicht dagegenspräche, dass das einzige Österreich-Konzert ausverkauft sein müsste, früher war es das, man musste sich um Tickets sputen. Die Ticketpreise bewegen sich dabei in dem Rahmen, den man – leider – schon gewöhnt ist, bei Fischer bekommt man dafür auch außergewöhnlich viel Show.
Dass aber Tickets für die beiden Stars auch lange nach Vorverkaufsstart erhältlich sind, ist ein Indiz für jenen Weg, den der Schlager gerade geht: Wenn schon nicht vom Gipfel geradewegs nach unten, so doch in eine Hochebene. Das einstige Boomgenre, das mit einfachen Texten, nicht überkomplexen Melodien und Lokalkolorit die popkulturelle Debatte bestimmt hat, normalisiert sich.
Das zeigen auch die Chartsplatzierungen: Sowohl Gabalier als auch Fischer landen mit Neuveröffentlichungen …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



