
Wenn Sieglinde im zweiten Akt ihr „Hehrstes Wunder!“ ausruft, möchte man das auf die Stimmen, die in dieser „Walküre“ an der Wiener Staatsoper zu hören sind, ummünzen.
Wo also beginnen? Bei der ersten, die sich in Hundings Haus erhebt. Dieses Wunder verkörpert naturgemäß zuerst am zweiten Abend von Richard Wagners „Ring“ Siegmund in Gestalt von Michael Spyres.
Mit aller Wortdeutlichkeit intoniert der gebürtige Amerikaner jede Silbe. Lustvoll lässt er seine Stimme, die wie wilder Honig in dunklem Gold leuchtet, strömen. Geschmeidig changiert er zwischen tenoralen und baritonalen Lagen. Seine Wälse-Rufe leuchten wie Rubine mit Strahlkraft in Rekordlänge. Lyrisch, sinnlich bringt er den „Wonnemond“ zum Leuchten, da hat kein Wintersturm eine Chance.
Simone Schneider trägt mit ihren prächtigen Höhen zum Stimmwunder bei. Michael Volle realisiert in seiner Erzählung das Große, das er im „Rheingold“ angebahnt hat. Sublim verkörpert er den Göttergatten, der vor seiner Gattin in die Knie geht. Den Thriller-Faktor dieser Szenen einer Ehe, die Szilvia Vörös als Fricka und Volle vorleben, würde man jedem Filmregisseur wünschen. Das Wunderbare: Vörös ist keine keifende Zange, sondern eine elegante Dame, die Rache für ihre Kränkung will.
Camilla Nylund lässt als Brünnhilde keinen Wunsch offen. Ihre Todesverkündung raubt einem den Atem. Nobel klingen ihre „Hojotoho“-Rufe. Günther Groissböck ist der perfekte Unhold als Hunding. Die Walküren agieren brav.
Pablo Heras-Casado setzte das Ringen um seine Ideen fort. Im Laufe des Abends bahnt sich die Annäherung zwischen Orchester und Dirigent an, da werden feinste Motive hörbar. Ovationen für alle. Susanne Zobl
Source:: Kurier.at – Kultur



