
Dass Österreichs Eishockey-Team bis zum letzten Spiel der Vorrunde dieser Weltmeisterschaft vom Aufstieg ins Viertelfinale träumen durfte, ist keine Selbstverständlichkeit. Mit den drei Siegen gegen Großbritannien, Ungarn und Lettland brachte sich Österreich in eine hervorragende Position in der Gruppe A, die von der Schweiz und Finnland dominiert wurde.
Vor nicht allzu langer Zeit pendelte Österreich zwischen der WM der Top-16-Nationen und der Division 1A. Natürlich hat der Ausschluss von Russland und Belarus 2022 den 2019 abgestiegenen Österreichern erst die Teilnahme an der A-WM ermöglicht. Das Team von Roger Bader hat die Chance aber auch genutzt und 2025 mit dem ersten Viertelfinale nach 31 Jahren eindrucksvoll bewiesen, wie effizient Österreichs Eishockey sein kann.
Damit ist nicht die Schusseffizienz der Spieler auf dem Eis gemeint. Eine Eishockey-Nation mit 3.558 männlichen Spielern und einer so unterdurchschnittlichen Infrastruktur spielt um den Einzug in die Top-8 der Welt? Hut ab vor Spielern und Trainern dieses Teams.
Teamchef und Sportdirektor Roger Bader kam 2014 als Ausbildungschef nach Österreich. Seit dem gescheiterten Aufstieg 2016 ist er Teamchef. Er sorgte mit seinem Trainerteam für Professionalisierung im Nationalteam und vor allem für Kontinuität. Eine Minimundus-Eishockey-Nation kann es sich nicht leisten, dass Spieler jedes Jahr ein neues Spielsystem einlernen müssen.
Doch der Erfolg hat viele Väter – vor allem Spielerväter und -Mütter. Denn am System der Ausbildung liegt Österreichs Erfolg nicht. Väter wie Michael Rossi oder Peter Kasper scheuten keine Kosten und Mühen, um ihren Söhnen die Chance auf große Karrieren zu ermöglichen. Sie spielen mittlerweile in der National Hockey League. Das geht nur, wenn die Jugendlichen so schnell wie möglich Österreich verlassen. Denn das Niveau in den Nachwuchsligen ist immer noch so bescheiden wie in den 90er-Jahren.
Damals war das Schweizer Eishockeyteam um keinen Deut besser. Im Gegenteil. Es verlor in der Qualifikation für Olympia in Nagano gegen Österreich. Doch das war der Startschuss für umfassende und ernsthafte Reformen. 30 Jahre später gibt sich die Schweiz mit WM-Silber wie 2024 und 2025 nicht mehr zufrieden und zählt 2026 zu einem der großen Favoriten auf Gold.
Es wird Zeit, Nachhaltiges auch in Österreich zu schaffen. Erst wenn das System funktioniert, muss sich Österreichs Eishockey nicht mehr auf eine gute Generation an Spielern und deren Eltern verlassen.
Source:: Kurier.at – Sport



