
Michael Zettel, der Präsident der amerikanischen Handelskammer in Österreich (AmCham), spricht von einer „Trendumkehr“. Zum ersten Mal seit Jahren gingen 2025 die österreichischen Exporte in die USA zurück und das kräftig. Von 16,2 Mrd. Euro im Jahr 2024 auf 12,9 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Das Minus beträgt 20,4 Prozent. Besonders stark waren die Rückgänge bei Pharmaprodukten, bei denen sich das Volumen auf 2,2 Mrd. Euro mehr als halbierte, und bei Maschinen und Geräten, wo es einen Rückgang von 18 Prozent oder 834,8 Mio. Euro auf 3,8 Mrd. Euro gab. Die Importe stagnierten. Der österreichische Handelsbilanzüberschuss reduzierte sich entsprechend.
Die USA seien trotz Unsicherheiten und aktuellen Handelsbarrieren mit einem Exportanteil von 6,8 Prozent nach Deutschland (29,5 Prozent) immer noch der zweitwichtigste Handelspartner Österreichs, betonte der AmCham-Chef bei der Präsentation der Studie zu den transatlantischen Handelsbeziehungen am Dienstag. Er verwies auf weiterhin hohe gegenseitige Investitionen, den großen Anteil an Hochtechnologie in den Handelsströmen und auf die leicht gestiegenen Exporte und Importe von Dienstleistungen. Im vergangenen Jahr wurden Dienstleistungen im Wert von 3,7 Mrd. Euro in die USA exportiert. Das entspricht einem leichten Plus von 0,1 Prozent. Das Gros fällt Forschung und Entwicklung sowie Rechts- und Wirtschaftsdienstleistungen zu. Umgekehrt stiegen die Importe von Dienstleistungen von 4 auf 4,3 Mrd. Euro.
Österreichische Investitionen in den USA zurückgegangen
Der von US-Präsident Donald Trump durch seine Zollpolitik anvisierte Anstieg von Investitionen in den USA und die Schaffung von Arbeitsplätzen macht sich zumindest bei österreichischen Unternehmen noch nicht bemerkbar. Im Gegenteil: Die heimischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten gingen 2025 um mehr als 4,5 Prozent auf 22,8 Mrd. Euro zurück.
Allerdings haben Investitionen eine lange Vorlaufzeit, wie Ökonom und Studienautor Christian Helmenstein vom Economica Institut sagt. Anzeichen für eine erhöhte Investitionstätigkeit von Nicht-US-Firmen in den Vereinigten Staaten gebe es durchaus. AmCham-Präsident Zettel führt das Ausbleiben österreichischer Investitionen in den USA auch auf konjunkturelle Effekte zurück. Heimische Industrieunternehmen seien derzeit nicht in der Situation, groß zu investieren, sagt er.
Mit einem Anstieg der US-Direktinvestitionen in Österreich auf 18,7 Mrd. Euro bleiben die USA jedenfalls der zweitwichtigste Kapitalgeber für Österreichs Wirtschaft. Die 50 größten US-Unternehmen in Österreich schaffen laut der Studie direkt und indirekt 142.000 Arbeitsplätze und führen rund 5 Mrd. Euro an lohnbezogenen Steuern und Abgaben an die Staatskassa ab. Umgekehrt sichern knapp 1.000 Tochterunternehmen heimischer Firmen in den USA rund 60.000 Jobs.
Helmenstein verweist auf den überdurchschnittlich hohen Beitrag, den vor allem US-Technologiefirmen zum Strukturwandel der heimischen Wirtschaft leisten.
Auswirkungen der digitalen Souveränität
Die zuletzt lauter gewordenen Diskussionen über eine europäische digitale Souveränität werde sich aber auch in den Handelsbeziehungen niederschlagen, sagt AmCham-Präsident Zettel. Weil die Abhängigkeit von US-Technologiefirmen sehr hoch sei, werde das aber dauern.
Letztlich werde die Debatte zu verstärkten Investitionen von US-Unternehmen in Europa führen, ist Zettel überzeugt. Die sehe man auch bereits. So will etwa der Cloudcomputing-Marktführer Amazon Web Services (aws) bis 2040 knapp 8 Milliarden Dollar (rund 7 Mrd. Euro) in eine zumindest auf dem Papier unabhängige europäische Cloud-Infrastruktur stecken. Microsoft eröffnete im vergangenen Jahr drei neue Rechenzentren in Österreich.
Wie geht es weiter? Ökonom Helmenstein sieht das Ende der Fahnenstange …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



