Digitalisierungsexperte zur Corona-Krise: „Wir standen zwischen Pest und Cholera“

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Haben Sie ein Beispiel parat?

Denken Sie an unscharf gemachte Hintergründe bei Videokonferenzen. Kaum jemand möchte, dass jeder in sein Arbeits- oder Wohnzimmer gucken kann. Deswegen war ganz schnell Bedarf nach verwischten Hintergründen da. Das ist von allen nahezu bekannten Dienstleistern sehr schnell eingeführt worden. Ebenso schnell wurde die Cloudtechnologie adaptiert. Es ist sicherlich kein Zufall, dass gerade jetzt PayPal angekündigt hat, Bitcoin zu unterstützen. Es gibt einen indirekten Zusammenhang mit Corona, weil Online-Käufe natürlich auch dazu führen, dass online bezahlt wird. Der Boom von E-Commerce hat zu einem Boom von E-Payment geführt. PayPal hat sich dazu entschlossen, Bitcoin zu einer breiten Verankerung im Massenmarkt zu verhelfen. Wer hätte das gedacht? Vor einem Jahr galt Bitcoin in weiten Teilen der Bevölkerung noch als Währung zweifelhafter Händler, Steuerhinterzieher und der Hightech-Hipster. Kurse schwankten wild, und es war nicht abzusehen, ob sich Bitcoins breit als Zahlungsmittel durchsetzen würden. Vielen gilt Bitcoin allenfalls als Mittel der stabilen Wertaufbewahrung. Dies hat sich im Laufe eines einzigen Jahres geändert – wirklich bemerkenswert.

Millionen Euro sind in

Warum Homeoffice bleibt, Begegnung in der Wirtschaft fehlt und es keinen Grund für ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt, sagt Manager Christoph Keese im Interview.

Christoph Keese ist Geschäftsführer von hy, einer Tochtergesellschaft der Axel Springer SE, die sich auf digitale Transformation spezialisert hat.

KURIER: Sie haben im Lockdown sieben Regeln aufgestellt. Eine lautet: „An die positive Kraft der selbsterfüllenden Prophezeiung glauben. Optimismus wird wahr, wenn alle entschlossen genug daran festhalten.“ Haben wir noch Grund, optimistisch zu sein?

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Christoph Keese: Wir sind verpflichtet, optimistisch zu sein. Wenn wir uns ergeben in das Abwarten auf einen wirksamen Impfstoff, dann ist der Wirtschaft noch viel weniger geholfen. Wir müssen aus diesem furchtbaren Dilemma – Gesundheit versus Wirtschaft – herausfinden. Die Wirtschaft kann sich in Österreich wie Deutschland nicht leisten, dass wir aufhören zu arbeiten.

Parallel zu den steigenden Infektionszahlen steigen die Arbeitslosenzahlen.

Anfang des Jahres standen wir vor der Wahl: Pest oder Cholera? Kommt es zur Verelendung durch Arbeitslosigkeit oder zu massenhaftem Sterben durch die Gesundheitskrise? Diese Wahl zwischen Pest und Cholera wünscht man niemandem. Politik und Gesellschaft müssen vermeiden, in solche Dilemmata hinein zu geraten. Hier war es aber leider nicht zu vermeiden. Corona hat uns das Dilemma aufgezwungen. Wie reagiert man darauf? Man kann sich weder für das eine noch das andere Übel entscheiden, sondern muss versuchen, beide so gering wie möglich ausfallen zu lassen. Das ist ungeheuer schwer. Der Rückhalt in der Gesellschaft für politische Entscheidungen ist auch deswegen gesunken, weil jede Betonung des einen Ziels leider eine Verschlechterung beim anderen Ziel zur Folge gehabt hat.

Sie meinen, der Rückhalt fehlt, weil die Politik sich nicht für Pest oder Cholera entscheidet?

Es geht um biologisches versus wirtschaftliches Überleben. Eine grauenvolle Abwägung. Es wäre ein Wunder, wenn sie die Gesellschaft nicht spalten würde. Denn ganz gleich, welche Seite man einnimmt, man hat immer gute Argumente. Gute Politik heißt, kluge Kompromisse zwischen beiden Bedrohungsszenarien zu finden. Ich glaube, dass der starke Föderalismus in Österreich wie Deutschland dabei von Vorteil sein kann: Wenn mehrere Ansätze gleichzeitig ausprobiert werden, kann sich das am besten funktionierende Modell durchsetzen.

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Homeoffice ist mittlerweile das Arbeitsmodell. Wird uns diese Arbeitsweise Ihrer Meinung nach erhalten bleiben?

Virtuelles Arbeiten wird bleiben, funktioniert am besten aber in bestehenden, belastbaren Beziehungen. Nach der anfänglichen Video-Euphoria hat heute fast jeder am eigenen Leib erfahren, dass es virtuell kaum möglich ist, neue, vertrauensvolle Beziehungen zu begründen. Wir wissen heute mehr denn je, dass wir die persönliche Begegnung mit anderen Menschen brauchen. Sicherlich nicht immer, aber oft. Sie fördert kreative Zusammenarbeit, hilft beim Entdecken von Neuem und beim Begründen von Vertrauen. Ohne vertrauensvolle Beziehung kann Wirtschaft nicht auf Dauer funktionieren. Deswegen brauchen wir schnell eine Rückkehr zur persönlichen Begegnung – aber unter der Maßgabe, dass das Infektionsgeschehen nicht weiter befeuert wird.

Der zweite Lockdown lässt viele an der Politik zweifeln, Corona-Leugner und -Müde europaweit mehr werden.

Corona-Leugner stellen zum Glück eine winzige Minderheit dar. Corona-Leugnung ist jedoch etwas anderes als Corona-Müdigkeit. Müdigkeit ist normal. Ich kenne persönlich niemanden, der nicht Corona-müde wäre, denn Corona nervt kolossal. Mein persönliches Vertrauen in Institutionen ist übrigens sogar gewachsen. …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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