
Ja, es mag durchaus Menschen geben, die der Nordischen Kombination von Natur aus kritisch gegenüberstehen. Wer braucht denn diesen Sport, bekommt man dann gerne zu hören. Kombinierer? Das sind doch die, die weder gscheit Skispringen noch richtig Langlaufen können.
Viele dieser Kombi-Ignoranten sitzen, wie seit Dienstag bekannt ist, in den Gremien des IOC, das die olympische Ursportart fortan von Winterspielen aussperrt.
Seit Chamonix 1924 war die Nordische Kombination ein fixer Bestandteil von Olympischen Spielen, 2030 in Frankreich sind die Kombinierer plötzlich nicht mehr erwünscht.
Aber warum eigentlich? Was haben sie angestellt?
Ist die Nordische Kombination wirklich so fad, wie es uns die IOC-Funktionäre suggerieren wollen? Zieht dieser traditionelle Wintersport heutzutage tatsächlich niemanden mehr in den Bann?
Wer als Sportreporter das Privileg hatte, Österreichs goldene Kombinierer-Generation zu begleiten und gemeinsam Titel und Triumphe zu feiern, den schmerzt das Herz über den Abgesang, der auf eine Sportart angestimmt wird.
Legenden
Die Nordische Kombination hat in Österreich Sportgrößen hervorgebracht, deren Strahlkraft weit über die Schanzen und Loipen hinausgeht. Und nicht nur in Österreich.
Auch in Norwegen (Fred Borre Lundberg, Bjarte Engen Vik, Jarl Magnus Riiber), Finnland (Hannu Manninen, Samppa Lajunen), Frankreich (Fabrice Guy, Jason Lamy Chappuis), Deutschland (Björn Kircheisen, Eric Frenzel), Japan (Kenji Ogiwara, Akito Watabe), den USA (Todd Lodwick, Bill Demong) oder der Schweiz (Hyppolit Kempf)
Steiler Aufstieg
Es war ein steiler Aufstieg, den die Nordische Kombination in Österreich seit dem Ende der 1980er Jahre erlebte: Verantwortlich dafür war ein Mann mit einem klingenden Namen: Wilfried Vettori, der Vater der österreichischen Skisprung-Legende Ernst Vettori, machte hierzulande die Kombination salonfähig und war ein Wegbereiter für spätere Erfolg.
Klaus Sulzenbacher, zweifacher Gesamtweltcupsieger (1987/’88, 1989/90) und vierfacher Medaillengewinner bei Olympia, war der erste ÖSV-Star in der Kombination.
Boy-Group
Es folgte eine Generation, die nicht nur bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen glänzende Erfolge einfuhr, sondern auch höchste Beliebtheitswerte hatte. Wer erinnert sich nicht an Mario Stecher, der 1994 mit 16 Jahren den Weltcup am berühmten Holmenkollen gewann – bis heute ist der heutige ÖSV-Sportdirektor der jüngste Sieger in Oslo.
Mario Stecher läutete die Zeit der rot-weiß-roten Boy-Group ein. Als junger Journalist wurde man beneidet, wenn man über die österreichischen Kombinierer berichten durfte. Sie waren jung, sie waren anders und gingen mit Trainer Günther Chromecek ihren eigenen Weg, sie lebten ihr Leben und ließen alle daran teilhaben.
Lebensfroh
Bei den gemeinsamen Abendessen rannte der Schmäh und es floss auch der Wein. Nicht in Strömen natürlich, aber was ist schon dabei, wenn man vor einem Bewerb in Val di Fiemme ein Glasl Wein trinkt?
Vor allem, wenn dann am nächsten Tag Team-Gold bejubelt werden kann. So wie 2003 bei der WM, als Michael Gruber, Willi Denifl, Christoph Bieler und Felix Gottwald triumphal siegten.
Die Nordischen Kombinierer, zumindest die österreichischen, waren immer anders. Sie beherrschten die Kombination aus Unbeschwertheit und Entschlossenheit. Und sie waren einfach saugut und sorgten für Gänsehautmomente.
Als etwa Felix Gottwald bei den Winterspielen 2006 in Turin den Deutschen Georg Hettich stehen ließ und die erste olympische Goldmedaille für Österreich holte. Um einige Tage später an der Seite von Michael Gruber, Christoph Bieler und Mario Stecher im Teambewerb die nächste Goldmedaille folgen zu lassen.
Zielsprinter Stecher
Der …read more
Source:: Kurier.at – Sport



