
Wie oft sie einander gesehen haben, darüber wird gestritten. Manche Beobachter sprechen vom 40. Treffen, das am Dienstag in Peking stattfinden wird, andere wiederum schon vom 74. Mal.
Dass Wladimir Putin und Xi Jinping einander gut kennen, ändert jedoch wenig an der verschobenen Machtbalance der beiden. Der Pomp, mit dem Xi vor Kurzem sein amerikanisches Gegenüber Donald Trump empfangen hat – roter Teppich, militärische Ehren –, wird Putin nämlich nicht zuteil werden: Russland steht wirtschaftlich längst nicht mehr auf Augenhöhe mit China, ist in vielen Dingen von Peking abhängig; dazu kommt der Kremlherrscher auch noch in deutlich geschwächter Position. An der Front läuft es nicht nach seinem Geschmack, die Wirtschaft stottert hörbar, und am Wochenende schafften es ukrainische Drohnen bis Moskau. Sie setzten die dortige Ölraffinerie, die bestgeschützte des ganzen Landes, in Brand.
China, so die Hoffnung im Kreml, soll nun die sich leerende Staatskasse wiederauffüllen. Zwei Monate lang hatte Moskau aufatmen können, weil die USA ihre Sanktionen auf russisches Öl ausgesetzt hatten. Trump wollte den durch den Irankrieg erschütterten Markt so stabilisieren.
Kein Pomp wie bei Trump
Da Washington diese Ausnahme am Wochenende aber wieder auslaufen ließ, ist Moskau mehr denn je von seinen Abnehmern aus Asien abhängig, also vor allem China und Indien. Ein Viertel aller russischen Exporte geht ins Reich der Mitte, allein für Öl und Gas flossen seit Kriegsbeginn 367 Milliarden Dollar Richtung Moskau – das entspricht etwa dem zweifachen Militärbudget Russlands.
Dementsprechend „hohe Erwartungen“ hat der Kreml schon vor dem Treffen kommuniziert, Putin hat dafür auch diverse Unternehmenschefs mit. Konkret soll etwa über den Bau der Gaspipeline Power of Siberia 2 geredet werden, die seit Langem in den Seilen hängt. Das Projekt wird durch den Ausfall des katarischen Gases auch für Peking wieder interessanter. Auch die schon bestehende ESPO-Ölpipeline könnte massiv ausgebaut werden.
Das würde Russland benötigtes Geld verschaffen und China in einer anderen Causa nutzen könnte – in einem Konfliktfall mit Taiwan. Entschließt sich Peking tatsächlich jemals, die Insel militärisch anzugreifen, wäre so eine großflächige Ölversorgung am Landweg gesichert, auf Schifflieferungen wäre man kaum mehr angewiesen.
Die große Inszenierung auf Augenhöhe, die Putin von seinen Staatsmedien ein solchen Treffen immer herbeischreiben lässt, wird ihm in Peking aber dennoch nicht gelingen. „Am Tisch der Großmächte ist kein Platz mehr für Russland“, schreibt dazu der im Londoner Exil lebende russische Politologe Wladimir Pastuchow. „Der Status Russlands als Staat in der ersten Reihe wurde von Trump und Xi ausgelöscht.“
Er hegt Befürchtungen, dass der Kreml darum zumindest seine militärische Macht demonstrieren will, noch vor dem Treffen in Peking – und zwar mit einer „unangemessenen“ Gegenreaktion auf den ukrainischen Drohen-Angriff auf Moskau.
Source:: Kurier.at – Politik



