„Öffnung ist eine Haltung“: mumok-Chefin Hellberg setzt Initiativen

Kultur

„Wir leben in einer Zeit, in der Kulturinstitutionen sparen müssen und über Schließtage sprechen“, sagt Fatima Hellberg. „Ich habe beschlossen, den entgegengesetzten Weg zu gehen.“  

Die seit Oktober des Vorjahres amtierende Direktorin des mumok (Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien) lud eine Runde von Medienvertretern am Montag in ihr Haus ein – just nachdem die letzte Ausstellung des Malers Tobias Pils zu Ende gegangen und die Umbauarbeiten für die erst im Juni eröffnende Neubespielung der Flächen gestartet waren. 

Doch „Schließen ist das Gegenteil von Stillstand“, sagt Hellberg, und so will sie das Publikum auf eine neuartige Weise einbinden: Die georgische Künstlerin Tolia Astakhishvili hat dafür ein eigenes Programm („Tolia Curriculum“) geschaffen und wird ihre nächste Ausstellung „vor den Augen des Publikums“ entwickeln, wie Hellberg erklärt.  

Ab Freitag (22. 5.) und das Wochenende hindurch beginnt ein dichtes Programm von Mitmachangeboten – so hält etwa mumok-Architekt Laurids Ortner einen Vortrag (22. 5.), Zeichnungen der Künstlerin sollen vom Publikum eigenständig vollendet werden (23. 5.), und Kinder und Familien bekommen die „Einschlafgeschichten“ des Filmemachers Harun Farocki zu hören (24. 5.). Danach werden bis 18. Juni täglich außer Montag allabendlich Workshops, Lesungen, Musikperformances und mehr angeboten. Der Eintritt zu den meisten Veranstaltungen ist gratis, es bedarf aber einer Anmeldung (hier).

700 Quadratmeter gratis bis Herbst

Ab dem 20.  Juni soll dann wieder ein durchgängiger Ausstellungsbetrieb einkehren – mit einer Besonderheit: Eine Ebene der groß angelegten Antrittsausstellung „Terminal Piece“ wird bis zum Ende der Laufzeit am 30. September bei freiem Eintritt zu besuchen sein. Auf 700 Quadratmetern sind dann auf der Eingangsebene – als „Prolog“ zu einem mehrteiligen Ausstellungserlebnis konzipiert – 188  Werke aus der mumok-Sammlung zu sehen, inszeniert in einer Ausstellungsarchitektur der renommierten Bühnenbildnerin Anna Viebrock.

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Die Präsentation soll dabei die Räumlichkeiten von jenen Personen evozieren, die lange mit der Kunst lebten – etwa die Gemächer der Sammler Peter und Irene Ludwig oder des Restaurators und Kunstexperten Wolfgang Hahn. Schließlich waren viele Werke zunächst in private Kontexte eingebunden, bevor sie Museumsstücke wurden. 

Private Förderer konnte Hellberg auch gewinnen, um die teilweise Gratis-Öffnung des mumok zu finanzieren: Diverse anonyme Mäzene sowie das mumok-Board, das sein Budget sonst meist für den Ankauf von Kunstwerken verwendet, waren für die Idee zu begeistern. 

 „Meine Hoffnung ist, dass wir mit dieser Pilotphase zeigen können, was möglich ist“, sagte die mumok-Generaldirektorin, die wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den anderen Bundesmuseen noch nicht über die Höhe der in den kommenden Jahren zur Verfügung stehenden Bundesmittel Bescheid weiß. „Es ist ein Moment von großer Unsicherheit bei allen“, sagte sie und bekräftigte, dass wirtschaftliche Engpässe nicht zu höheren Zugangsbarrieren führen dürfen.

„Mehr Miteinander statt Nebeneinander“

Auch nach innen strebt Hellberg eine größere Öffnung an. Sie will bei den Strukturen des Hauses Bürokratismen abbauen, Hierarchien verflachen und Mitverantwortung stärken. Dabei werde teilweise auch auf externe Unterstützung zurückgegriffen werden, sagte sie – und vermied einen Begriff, der zuletzt im KHM immer wieder in Diskussion geriet: „Change Prozess“. Hellberg: „Ein Museum, das Neugier, Offenheit und Begegnung verkörpert, muss genau das auch in seiner eigenen Arbeitsweise leben. Darauf will ich in den kommenden Monaten …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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