
Es ist ein Traum-Ort für Reiseliebhaber, aber aktuell herrscht dort Weltuntergangsstimmung: Dicker Qualm liegt über der Halbinsel Cap Ferret an der französischen Atlantikküste. Die Sonne, die in dieser beliebten Urlaubsregion sonst so kräftig strahlt, dringt kaum mehr durch die dunkelgrauen Schwaden. An manchen Stellen rieselt schwarzer Ruß vom Himmel. Nachts erscheinen Teile der Region wie eine orangefarbene Feuerhölle, auch tagsüber fressen sich die Flammen immer weiter voran.
Bereits am Mittwoch ist der heftige Flächenbrand bei Saumos in der Region Nouvelle-Aquitaine in Südwestfrankreich ausgebrochen, aus bislang ungeklärtem Grund. Bis Freitagmittag hatte er sich auf mehr als 10.000 Hektar ausgedehnt. Besonders betroffen ist die Gemeinde Lège-Cap-Ferret, ein malerischer Ferienort nördlich der Bucht von Arcachon. Ebenso wie andere Dörfer in der Umgebung wurde er evakuiert, teils mithilfe von Booten. Die Feuerwehr war mit mehr als 800 Kräften, 260 Löschfahrzeugen, fünf Flugzeugen und einem Löschhubschrauber im Einsatz. Knapp 30 Feuerleute wurden bislang verletzt.
Kritik an der Regierung
Augenzeugen berichteten von einem unkontrollierbaren „Flammenmonster“. „Wir befinden uns gegenüber einem erratischen Feuer“, sagte der Leiter der Feuerwehr im Departement Gironde, Marc Vermeulen. „Momenteweise ist es sehr ruhig und dann wird es plötzlich wieder sehr intensiv, da kräftige Winde die Flammen antreiben.“ Hinzu kam die Hitze mit Temperaturen von bis zu 40 Grad.
Dramatisch war die Situation auch in Biscarrosse, rund 45 Kilometer südlich von Cap Ferret. Dort hatte ein Kleintransporter am Donnerstag Feuer gefangen, die Flammen griffen schnell auf die Natur über. 2.500 Hektar wurden bis Freitag zerstört. Derweil loderte im bergigen Hinterland nordöstlich von Marseille rund um den Ort Pontevès ein Waldbrand wieder auf. Ihn bekämpften 800 Feuerwehrleute, unterstützt von mehr als 100 Soldaten. „Die Flammen sind extrem schwer einzudämmen, da sie bisweilen Entfernungen von bis zu einem Kilometer überspringen“, betonte Innenminister Laurent Nunez bei einer Pressekonferenz am Freitag.
Das Verteidigungsministerium kündigte die Umrüstung eines Militärtransportflugzeugs für Löscheinsätze binnen zehn Tagen an, das auf einen Schlag 20 Tonnen Wasser abwerfen kann – deutlich mehr als ein gewöhnliches Löschflugzeug. Die französische Flotte gilt als zu klein, sobald es wie aktuell zu mehreren Bränden gleichzeitig kommt.
Deshalb gab Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekannt, dass er die EU um Hilfe gebeten und die Auslösung des europäischen Zivilschutzmechanismus beantragt habe. Mehrere Löschflugzeuge und Schwerlast-Hubschrauber aus Kroatien, Portugal, Tschechien und der Slowakei sollen die französischen Einsatzkräfte unterstützen. „Die Situation bleibt sehr stark angespannt“, so Macron.
Kritiker stellen die Frage, ob Frankreich ausreichend auf das Risiko der Brände vorbereitet ist und genug für die Prävention tut, gerade hinsichtlich der Waldpflege. Bereits 2022 erlitt die Gegend um Arcachon schwere Waldbrände. Damals verbrannten allein dort 7.000 Hektar. Laut Regierung wurden seit Jahresbeginn landesweit schon 50.000 Hektar und mehr als 100 Gebäude zerstört.
Freiwillige Helfer
Rund 43.000 Menschen mussten zeitweise ihre Häuser, Wohnwagen oder Ferienunterkünfte verlassen. Sie wurden überwiegend in Notunterkünften, etwa in Gemeindesälen oder Turnhallen angrenzender Dörfer, untergebracht. Dutzende Freiwillige unterstützten bei der Organisation von Schlafplätzen und Verpflegung. Bäcker und Supermärkte halfen mit Essensspenden.
Bilden sich sonst zu dieser Zeit Staus von Bordeaux aus in Richtung Lège-Cap-Ferret, so war nun die Gegenspur überfüllt. Sie fürchte sich vor dem Moment, wo das Ausmaß der …read more
Source:: Kurier.at – Politik



