Salzburger Festspiele: In der Unterwelt wird es intellektuell

Kultur

Musikkritik ist in den meisten Fällen Aufführungskritik – hier, nach einer konzertanten Aufführung in der Kollegienkirche im Rahmen der Ouverture Spirituelle der Salzburger Festspiele, braucht es jedoch auch eine kurze Werkkritik.

Die Oper „Passion“ von Pascal Dusapin, uraufgeführt 2008 in Aix, denkt „Orfeo“ von Monteverdi, die Geschichte vom Sänger, der seine von der Schlange gebissene Eurydike aus der Unterwelt zurückholen will, weiter. In zehn Abschnitten geht es um Leidenschaften, Liebe, Schmerz, Angst etc. Und es ist nicht so klar, ob die Frau hier überhaupt gerettet werden will. Auch der Mann kehrt letztlich nicht zurück.

Dusapin setzt in seinem sehr intellektualisierten, fast mathematisch konzipierten Werk auf klassisches Orchester, angereichert mit Cembalo (als Hommage an Monteverdi), der orientalischen Oud und Live-Elektronik. Die Instrumente sind, ebenso wie die Gesangsstimmen, verstärkt, was teils beeindruckende Effekte ergibt. Zu hören ist aber die meiste Zeit über ein Klangteppich, der wenig Emotion vermittelt, Melodik vernachlässigt und auch auch auf jeder anderen Oper basieren könnte (wenn man nicht wüsste, dass es sich um „Orfeo“ handelt).

Die musikalische Umsetzung durch das Ensemble Modern unter der Leitung von Franck Ollu ist höchst präzise und technisch ausgefeilt, die solistischen Momente sind fabelhaft musiziert. Vor allem aber beeindrucken (neben dem kleinen Chor Schola Heidelberg) die beiden Protagonisten Sarah Aristidou (sie singt die Rolle, die sich nur Lei nennt) und Georg Nigl (Lui). Mit gewaltigem Stimmumfang, mit komplexen Intonationsansprüchen, mit zartem Hauchen und heftigen Ausbrüchen geben sie einem ansonsten sehr abstrakten und nüchternen Werk Intensität und Differenzierung. Das Publikum applaudierte heftig.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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