
Wenn Michael Svoboda erklären müsste, was denn genau die Faszination des FC Venezia ausmacht, dann braucht er nur die Bilder von der jüngsten Meisterfeier herzeigen.
Die Venezianer zelebrierten den Titel in der Serie B in unnachahmlicher Weise mit einer farbenfrohen Bootsparade auf dem Canal Grande. Direkt vor den weltberühmten Wahrzeichen Rialto Brücke und Markusplatz und ganz nach dem Motto:
Wenn die Gondeln Freude tragen.
Dritter Aufstieg
„Es gibt keinen Verein, der so feiert wie wir. Diese Parade mit den Hunderten Booten wird nie langweilig“, sagt Michael Svoboda. Der gebürtige Wiener hat mittlerweile schon Erfahrung mit diesen feuchtfröhlichen Triumphzügen im Wasser.
Bereits 2021 und 2024 war der baumlange Innenverteidiger mit dem FC Venezia in die Serie A aufgestiegen und hatte miterlebt, wie die Kulturstadt in eine Fußballeuphorie verfallen ist. „Aber heuer waren noch einmal mehr Leute bei der Feier dabei“, erzählt er.
Leithammel
Michael Svoboda genießt beim FC Venezia längst Kultstatus. So viele Fußballer gibt es nicht, denen mit diesem Klub drei Mal der Sprung in die Serie A geglückt ist. „Das ist schön, aber es gibt auch die negative Seite, wir sind immer sofort wieder abgestiegen“, sagt der 27-Jährige.
Kandidat für die WM
Michael Svoboda will all diese Erfahrungen, ob positiv oder negativ, freilich nicht missen. Sie haben ihn zu dem Spieler gemacht, der er heute ist: Kapitän des FC Venezia, Abwehrchef, Leithammel – und nicht zuletzt ein Mann, der auch bei ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick hoch im Kurs steht.
„Ich habe darauf hingearbeitet, dass ich einmal ein Führungsspieler bin, ich übernehme gerne Verantwortung. Und es macht mich stolz, dass ich heute der Kapitän bin.“
Reifeprozess
Es hatte seinerzeit durchaus auch für Kopfschütteln gesorgt, als Svoboda im Sommer 2020 von der WSG Tirol in die zweite italienische Liga gewechselt war. Als Noname, ohne ein Wort italienisch zu sprechen, obendrein mitten in der Corona-Pandemie.
„Es gab sicher einige, die Zweifel hatten und die sich an meiner Stelle nicht so entschieden hätten. Für mich war es aber der richtige Schritt.“
Eine andere Welt
Michael Svoboda ist in Italien ein anderer und besserer Fußballer geworden. Er hat sich anpassen müssen an die Prinzipien, die im italienischen Fußball gelten, er hat sich einlassen müssen auf neue Methoden und Ansichtsweisen.
„Italien ist eine andere Welt, ich habe ein Jahr gebraucht, um richtig zurechtzukommen“, erzählt Svoboda. „Inzwischen bin ich ein Fußball-Italiener.“
Vertrag bis 2029
So schnell wird Michael Svoboda seiner neuen Fußballheimat Italien auch nicht den Stiefel geben. Sein Vertrag beim FC Venezia läuft noch drei Jahre, bis dahin soll der Klub auch das neue Stadion in der Hafenstadt Mestre bezogen haben.
Das ehrwürdige Stadion Pierluigi Penzo (erbaut 1913) in Venedig ist in die Jahre gekommen. Dann ist auch die einzigartige und unvergessliche Anreise zu Heimspielen Geschichte.
Michael Svoboda und seine Kollegen fahren mit dem Boot zum Match, vorbei an allen Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt. „Ich genieße es, mit dem Boot zur Arbeit zu fahren. Egal, wie oft man das macht und durch Venedig fährt, daran kann man sich nicht sattsehen.“
Source:: Kurier.at – Sport



