
Beim „Rosenkavalier“ von Richard Strauss steigt der Euphorie-Pegel schon per se wie in der aktuellen Aufführungsserie an der Wiener Staatsoper. Der Jubel galt den mehr als bewährten Sängerinnen und Sängern und den Debüts am Haus.
Eines davon gab die deutsche Sopranistin Nikola Hillebrand.
Sie bestand diese „feierliche Stunde der Prüfung“ – wie sie als Sophie -singt, meisterhaft. Ihre Diktion ist klar, man versteht jede Silbe, ihre Höhen leuchten wie silbrig gleißendes Licht. Sie weicht keinen Hundertstelmillimeter von ihrer präzisen Stimmführung ab und zeigt diese Sophie als ernsthafte junge Frau, die sich dem Leben stellt.
Samantha Hankey, ist an vielen Häusern als Octavian gefragt. Mit schönen Phrasierungen stattet sie den jungen Aristokraten aus, der ganz auf herben Charme setzt. Als Mariandl in Otto Schenks filmreifer Inszenierung übertreibt sie maßlos, aber das kann sich noch einspielen. Im Schlussterzett lässt sie ihre Stimme mit denen ihrer Partnerinnen gekonnt verschmelzen.
Camilla Nylund ist als Marschallin die personifizierte Noblesse. Ohne Pathos gestaltet sie ihren Monolog. Wenn sie die Zeit, „ein sonderbar„Ding“, besingt, hält man mit dieser Sängerin inne.
Günther Groissböck begeistert seit Jahren als Ochs auf Lerchenau und entwickelt diese Partie immer weiter. Sein Baron wäre ein klassischer Metoo-Fall. Er kostet die Arroganz seiner Figur aus und setzt vokale Marken wie dem betonten „Heu“ in seinem Monolog.
Auch Adrian Eröd fügt seiner Darstellung des Faninal noch einiges an Finessen hinzu. Die kleineren Rollen sind achtbar besetzt. Allen voran Jörg Schneider als Wirt und Wolfgang Bankl als Polizeikommissar. Michael Spyres fasziniert mit seiner Kunst zu phrasieren als Sänger.
Warum ihm Alexander Soddy am Pult nur wenig Raum zur ausführlicheren Gestaltung lässt, erschließt sich nicht. Dieses ausbaufähige Dirigat setzt auf Rasanz statt Zauber und das Können der Wiener Philharmoniker im Graben.
Source:: Kurier.at – Kultur



