Erste Trainerin in der Bundesliga: Wenn Vorbildwirkung auf Hass trifft

Sport

Wenn höchste Not am Mann ist, dann müssen oft die Frauen her, um die verfahrene Situation zu retten. Das kennen wir hierzulande aus der Politik (Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein), das erlebt Österreich gerade beim ORF (Generaldirektorin Ingrid Thurnher), und neuerdings passiert das auch in der Männerwelt des Fußballs.

Union Berlin schenkt als erster Klub aus Europas Topligen einer Trainerin das Vertrauen: Marie-Louise Eta soll die Eisernen aus Berlin in den letzten fünf Runden vor dem Abstieg bewahren, im Heimspiel gegen Wolfsburg sitzt die 34-Jährige am Samstag das erste Mal auf der Bank.

Großes Echo

Die Bestellung von Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin auf Zeit hat ein enormes Echo ausgelöst, und zwar weit über die Outlinien hinaus. Zur Antrittspressekonferenz reisten Medienvertreter aus halb Europa nach Berlin.

Starkes Signal

Der Weltverband FIFA stellte sich bei Eta mit einer Grußbotschaft ein. „Die Ernennung zur weiblichen Cheftrainerin in einer Spitzenposition bei den Männern bringt unser Spiel insgesamt nach vorne und sendet ein starkes Signal an viele andere Mädchen und Frauen in der ganzen Welt“, schrieb Jill Ellis, der Chief Football Officer der FIFA.

Zugleich sah sich Marie-Louise Eta in den ersten Tagen im Amt auch unverzüglich mit den negativen Seiten ihrer neuen Bekanntheit konfrontiert. Seit ihrer Bestellung übertrafen sich auf Social Media verbale Treter nur so mit sexistischen und hasserfüllten Äußerungen.

Asoziale Medien

Ihr Klub Union Berlin trat den Anfeindungen vehement gegenüber und reagierte mit eindeutigen Botschaften auf sexistische Postings. 

Den herablassenden Beitrag „Der Bundesliga-Trainer, der gegen sie verliert, hat für immer sein Gesicht verloren. Es gibt, glaube ich, kaum etwas Peinlicheres“ kommentierte der Verein mit den Worten: „Aber genau das bist du, ein Sexist.“ 

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Ein User, der postete, dass Spieler eine Frau, die von Fußball und Taktik spricht, nicht wirklich ernstnehmen würden, bekam zu lesen: „Bei aller Liebe, aber das ist Sexismus.“

Dickes Fell

Marie-Louise Eta nimmt die Hasskommentare scheinbar gelassen hin, sie kennt die Denke mancher Macho-Fußballfans, vor allem aber weiß sie, welche Abgründe sich in den asozialen Medien auftun. 

„Grundsätzlich beschäftigt mich das nicht, weil ich finde, dass das eigentlich viel, viel mehr aussagt über diejenigen, die das ins Netz stellen, als über diejenige, über die da was losgelassen wird“, erklärte Marie-Louise Eta.

Wichtiges Vorbild

Auch wenn ihre Amtszeit nur fünf Partien dauern wird – Eta übernimmt im Sommer das Frauenteam von Union –, sieht sie sich als Vorreiterin und als Role Model für die immer größer werdende Trainerinnen-Riege. 

„Ich weiß, dass das eine gesellschaftliche Wirkung und Bedeutung hat“, betont Eta. „Es ist schön, wenn sich dadurch vielleicht Wege und Türen öffnen, Inspiration dadurch geschaffen wird, dass junge Mädchen sehen, was alles möglich ist.“

Einzige Cheftrainerin

Es sagt viel über die männerdominierte Sportwelt aus, dass diese Trainerbestellung im Jahr 2026 so hohe Wellen schlägt.

Gitti Köck hat ähnliche Erfahrungen gemacht, die Tirolerin ist die einzige Cheftrainerin beim Österreichischen Skiverband und seit 2021 für die erfolgreichen Snowboarder rund um Doppel-Olympiasieger Benjamin Karl verantwortlich.

„Es ist traurig, dass man darüber so ein Tamtam machen muss. Es sollte immer um die Sache gehen, da spielt das Geschlecht keine Rolle.“

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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