
Die schwere Dürre in Österreich führte laut der Österreichischen Hagelversicherung zu Rekordschäden von insgesamt einer Milliarde Euro für die heimischen Landwirte. Für diese Ernteausfälle verspricht Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) nun auch Hilfsgelder für jene Bauern, die sich nicht gegen Dürre versichert haben. Einen Zeitplan für das von Totschnig und Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) angekündigten Hilfspaket gibt es jedoch nicht.
„Ich habe heute in der Früh nach Bekanntwerden der Zahlen mit dem Finanzminister Kontakt aufgenommen“, sagt Totschnig am Montag vor Beginn eines „Runden Tisches“ mit Experten und Bauernvertretern. „Wir starten mit den Verhandlungen mit dem Finanzministerium“, so Totschnig. Es sei klar, dass „wir rasch vorankommen müssen“. Totschnig sprach davon, „in den nächsten Tagen“ ein Paket auf den Tisch legen zu wollen.
Derzeit sind in Österreich rund 80 Prozent der Ackerflächen, aber lediglich 40 Prozent der Grünlandflächen gegen Dürre versichert. Bund und Länder unterstützten die Prämien im Jahr 2025 mit rund 160 Mio. Euro (55 Prozent Zuschuss). Grundsätzlich können Risiken, die versicherbar sind, nicht aus dem Katastrophenhilfsfonds abgegolten werden. Der Minister versprach trotzdem Geld für unversicherte Bauern: „Wir brauchen ein Unterstützungspaket für alle bäuerlichen Familienbetriebe.“
Finanzministerium kritisiert „Koste-es-was-wolle-Politik“
Aus dem Büro von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hieß es, „eine ‚Koste-es-was-es-wolle-Politik‘ wird es aus guten Gründen nicht geben“. Notwendig seien jedenfalls „nachhaltige und langfristige Lösungen für den Klimaschutz“. Wifo-Agrarökonom Franz Sinabell warnt vor undifferenzierten Maßnahmen, um Bauern zu helfen: „Das Hilfspaket sollte so konzipiert sein, dass die Bauern, die sich gegen Dürre versichert haben, nicht als Dumme dastehen.“ Der Ausbau der Futtermittel-Börsen und Stundungen von Investitionskrediten seien auch „sehr hilfreiche“ Maßnahmen.
Im Finanzministerium warte man nun auf konkrete Vorschläge aus dem Landwirtschaftsministerium, um diese prüfen zu können, wie es heißt. Es komme „nur eine Unterstützung in Frage, die sich im Rahmen des Budgets“ bewege. Denkbar seien Umschichtungen innerhalb des zuständigen Ressorts. Solche würden Totschnig zufolge nicht ausreichen. Es brauche „in einer außerordentlichen Situation außerordentliche Maßnahmen“.
Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger zeigte sich über die Aussage aus dem Finanzministerium entrüstet. „Es geht um Existenzen vieler Bauernfamilien in Österreich. Diese Dürre und Trockenheit ist eine absolute Notsituation für unsere landwirtschaftlichen Betriebe, wie es sie in dieser Form wohl noch nie gegeben hat“, schrieb er in einer Stellungnahme. „Es geht nicht um Partei- oder Klientelpolitik, sondern um die Zukunft unseres Landes.“ Auch Bauernbund-Präsident Georg Strasser fordert: „Das SPÖ-geführte Finanzministerium muss seine Blockadehaltung aufgeben und den notwendigen finanziellen Spielraum schaffen.“
2026 brachte für Bauern eine klimatische Ausnahmesituation
Politisch forderten Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landesvize Stephan Pernkopf (beide ÖVP) rasche und „außergewöhnliche“ Maßnahmen. Die Opposition reagierte kritisch: Die FPÖ warf dem Minister Untätigkeit vor, während die SPÖ ein ambitioniertes Klimagesetz und die NEOS verstärkten Bodenschutz unter dem Motto „Prävention vor Kompensation“ verlangten.
Klimatisch ist die aktuelle Lage beispiellos: In manchen Regionen fiel seit dem 15. Juni um über 75 Prozent weniger Regen als im Zehnjahresmittel (2016-2025). Zum Vergleich: Zwischen 2017 und 2025 lagen die jährlichen Dürreschäden in Österreich zwischen 30 und 230 Mio. Euro.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



